Hase/volodin zittern vor wm nicht um medaille, sondern um ihre existenz
Die Berliner Eislauf-Arena war Sonntagabend ausverkauft, doch Minerva Hase lächelt nur kurz. Statt Gala-Show: Existenzfrage. Nach der Bronzefahrt von Mailand könnte die WM in Prag das letzte gemeinsame Kapitel des erfolgreichsten deutschen Paarlauf-Duos werden – und das nicht freiwillig.
„Wir wissen nicht, ob Berlin überhaupt Bundesstützpunkt bleibt“, sagt Hase, während Nikita Volodin die Schlittschuhe bindet. Der Satz klingt wie ein Seitenhieb auf Verbände und Politik. Seit Monaten steht der Stützpunkt am Puls. Kein Geld, kein Trainer, kein Programm. Die Folge: Ein Team, das 2024 in Montreal Bronze und 2025 in Boston Silber holte, plant seine Zukunft mit Notizblock und Bauchschmerzen.
Holiday on ice als probegast
Die Gastrolle im Tempodrom war kein PR-Gag, sondern Stresstest. Fläche halbiert, Eis härter, Zeitfenster geschrumpft. „Wenn du hier landest, spürst du den Knochen“, sagt Hase und reibt sich das Knie. Drei Minuten ihrer WM-Kür zeigten sie trotzdem – als wollten sie sich selbst versichern: Das Programm sitzt, egal was danach passiert.
Die Zuschauer jubeln, doch hinter der Kulisse arbeitet das Management mit offenen Karten. Vertraglich ist nichts verlängert, finanziell ist nichts gesichert. Der Deutsche Eislauf-Verband schweigt zu Budgets, das Berliner Sportamt nennt „laufende Prüfverfahren“. Übersetzt: Kein Cent ist zugesagt.

Die letzte medaille oder der letzte tanz?
In 14 Tagen fliegt das Duo nach Prag – mit dem Ziel, die Medaillenserie zu verlängern. Doch selbst Edelmetall garantiert keine Fortsetzung. „Wir wollen professionell weitermachen, nicht improvisieren“, betont Volodin. Die Ironie: Je besser sie fahren, desto teurer wird das Programm. Choreografen, Fitnessteam, Psychologin – alles kostbar, nichts geschenkt.
Für Deutschland wäre ein Ausverkauf des Top-Duos ein Schlag in ein ohnehin verletztes Kapitel. Nach Laura Barquintos Knie-Desaster und verpassten Team-Qualifikationen fehlt jedes Aushängeschild. Hase/Volodin sind nicht nur Medailliengaranten, sie sind das einzige Paar, das international vorne mitfährt – und damit Hoffnungsträger für Olympia 2030.
Die Arena dunkelt, die Show endet. Hase winkt, Volodin nimmt ihre Hand. Es sieht nach Vorstellung aus, könnte aber Abschied sein. Wenn die Musik am 29. März in Prag verstummt, entscheidet sich nicht nur die Platzierung, sondern ob Deutschland sein bestes Paarlauf-Duo behält – oder ob die Silhouetten von Hase und Volodin nur noch in alten YouTube-Clips tanzen.
