Handball-quoten bleiben trotz tor-orgel im keller – prosieben holt sich trotzdem gold

660.000 Zuschauer jubelten am Donnerstag, als die DHB-Auswahl gegen Ägypten ein 41:38-Feuerwerk zündete. Drei Tage später, Sonntag, 15.30 Uhr, strahlender Frühlingswetter – und nur noch 390.000 wollten das Spektakel sehen. Die Zahlen sind ein Schlag ins Kontor des Deutschen Handball Bundes, der seine Freundschaftsspiele seit Jahren als TV-Marke vermarktet.

Prosieben zieht trotz quoten-talfahrt positive bilanz

Prosieben zieht trotz quoten-talfahrt positive bilanz

Der Sender selbst klingt selbstbewusst. Interne KPIs zeigen: Gegenüber der Vorwoche legte der Nachmittag um 23 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen zu. Marktanteil: 7,2 beziehungsweise 8,0 Prozent. Für ein Programm, das tags zuvor mit einer „Wer stiehlt mir die Show“-Wiederholung gerade mal 150.000 Sesselfussis erreichte, ist das ein Mini-Coup. Die anschließenden Simpsons blieben bei 100.000 hängen – da wirkt selbst die Handball-Mittelmehrheit plötzlich wie ein Sechser im Lotto.

Die Frage bleibt: Warum klickt Deutschland nicht? Florian Schmidt-Sommerfeld, Kommentator seit 2019, kennt die Antwort: „Freundschaftsspiel ist kein Knallerwort mehr.“ Bundestrainer Alfreð Gíslason testet, rotiert, probiert – das Produkt ist Labor statt Leidenschaft. Dazu der Zeit-Slot: Sonntagnachmittag steht im Wettbewerb zur Bundesliga-Konferenz, Ski-WM-Zusammenfassungen und, im April, zum ersten Biergarten-Wetter.

Die 200.000er-Marke in der werberelevanten Zielgruppe knackte ProSieben nur knapp – 190.000. Dennoch sichert sich der Sender mit dem Tagesmarktanteil von 7,4 Prozent den vierten Platz hinter ARD, ZDF und RTL. Werbefachleute sprechen von „billigem Live-Content“, der sich rechnet, weil die Rechtepreise für Länderspiele seit 2021 um 30 Prozent gesunken sind. Heinevetter, früher Weltklasse-Torhüter, heute TV-Experte, sagt trocken: „Wir sind die Spar-Version von Fußball – aber mit mehr Toren pro Minute.“

Ein Blick nach vorn: Am 2. Juni gastiert Deutschland in Wien. Das Match läuft wieder bei ProSieben, diesmal aber an einem Freitagabend. Interne Prognosen liegen bei einer Million Zuschauern, sollte das Team vor Ort mitspielen. Die Devise im Münchener Sender: „Wir bleiben dran, solang der Ball rund ist und die Quote halbrund.“ Die Handballer hingegen müssen leben mit der Erkenntnis: Torgeil reicht nicht, wenn das Publikum woanders feiert.