Handball-bundesliga: mehr als nur em-rückhalt – was frank bohmann fordert

Die Silbermedaille bei der Handball-Europameisterschaft hat eine Welle der Begeisterung ausgelöst, doch wie nachhaltig ist der Effekt für die Bundesliga? HBL-Boss Frank Bohmann nimmt Stellung zu Internationalisierung, Fanbindung und den Erwartungen an die Vereine – und sieht dringenden Handlungsbedarf.

Die euphorie nach der em: ein kurzlebiger effekt?

Rund zwei Monate sind seit dem EM-Finale vergangen. Die Hallen waren voll, die TV-Quoten brachen Rekorde – ein deutlicher Beweis für das wachsende Interesse am Handball, insbesondere in der jüngeren Zielgruppe. Aber wie nutzt die Liga diese Chance, um nachhaltig mehr Zuschauer an die HBL zu binden? Die Antwort liegt laut Bohmann darin, die Fans stärker an die Vereine zu binden. Nur etwa 30 Prozent der Handball-Interessierten haben einen Lieblingsklub – im Vergleich zum Fußball sind das magere Werte. „Das ist ein enormer Unterschied, den wir dringend angehen müssen“, so Bohmann.

Klubmarken stärken und geschichten erzählen

Klubmarken stärken und geschichten erzählen

Der Schlüssel zur Fanbindung liegt für Bohmann in der Stärkung der Klubmarken. Vereine wie die Füchse Berlin, der SC Magdeburg, der THW Kiel und die Rhein-Neckar Löwen sollten über ihre regionale Bedeutung hinausdenken und sich national und international präsentieren. Aber nicht nur das: „Wir müssen die Geschichten hinter den Spielern erzählen“, betont Bohmann. Namen wie Andi Wolff, Julian Köster und Johannes Golla sollen den Fans nähergebracht werden, um die Begeisterung für den Handball weiter zu steigern. Die Lücke zwischen Nationalmannschaft und den Klubs ist seiner Meinung nach zu groß – ein Problem, das im Fußball weniger akut ist.

Die füchse berlin als vorbild – und die rolle der ihf

Die füchse berlin als vorbild – und die rolle der ihf

Die Füchse Berlin zeigen, wie es geht: Sie haben eine Marke aufgebaut, die in der Stadt, der Region und zunehmend auch national und international Aufmerksamkeit erregt. „Bob Hanning und sein Team leisten hier einen sehr guten Job“, lobt Bohmann. Doch die Liga kann nicht nur auf die Füchse schauen. Auch der FC Bayern Basketball und Viktoria Berlin im Frauenfußball zeigen, wie man sich erfolgreich inszenieren kann. Ein besonderer Fokus sollte auf der Internationalisierung liegen. Bohmann sieht hier jedoch die Internationale Handball Federation (IHF) in der Verantwortung. „Die bisherigen Strategien greifen offenkundig nicht. Ich würde mir einen anderen Ansatz wünschen“, so Bohmann.

Mehr als nur drama: nachhaltige entwicklung

Die Frage nach „Drama-Queens“ in der Liga wird verneint. „Jeder muss seinen eigenen Weg finden“, erklärt Bohmann. Wichtig ist, dass die Vereine ihre zentrale Botschaft definieren und sich von anderen abheben. Letztendlich geht es darum, die Begeisterung für den Handball zu wecken und die Spielerpersönlichkeiten in den Vordergrund zu stellen. Eine bessere Reichweite auf Social-Media-Kanälen kann dabei helfen, sowohl den Spielern als auch ihren Klubs und dem Handball insgesamt zu mehr Popularität zu verhelfen. Das Lidl Final4 am kommenden Wochenende wird als „Nabel der Handballwelt“ gefeiert, mit neuen Erlebnissen und einer international hochkarätigen TV-Produktion. Ob die Handball-Bundesliga langfristig auch in Märkten wie den USA Fuß fassen kann, hängt maßgeblich von den Anstrengungen der IHF ab. „Wenn wir in die Hauptmärkte nicht reingehen und dort Interesse erzeugen, wird man langfristig ein Problem haben, den olympischen Status zu halten“, warnt Bohmann.