Guardiola fordert gelb nach pokal-krach: „no regrets“
Pep Guardiola lachte, als die Sky-Mikrofone ihn nach dem 2:0 im Carabao-Cup-Finale gegen Arsenal einfingen. Statt Reue prasselte ein Satz heraus, der die Premier League am frühen Montagmorgen zum Kochen bringt: „Gib mir noch eine gelbe Karte.“ Der City-Coach war nach der Schlusssirene auf dem Rasen von Wembley mit Viertelrichter Constantine Hatzidakis aneinandergeraten – und zeigte sich in der ersten TV-Runde keinen Millimeter kleinlaut.
Die szene, die keiner senden durfte
Was genau passierte, blieb den Zuschauern zunächst verborgen. Die Welt-Cameras fangen nur Guardiolas wild gestikulierende Silhouette, dazu ein abruptes Kopfschütteln des Assistenten. Doch die Fotografen am Spielfeldrand lieferten die explosive Sequenz: Guardiola packt Hatzidakis an der Schulter, schreit ihm ins Ohr, bekommt tatsächlich die verlangte Verwarnung. Der Referee zückt Gelb – gegen den Coach, nicht den Linienrichter. City-Kapitän Riyad Mahrez rennt herbei, um seinen Trainer wegzuziehen, doch Guardiola dreht sich noch einmal um und grinst breit. Die Bilder gingen innerhalb von Minuten viral.
Im Anschluss ließ der 55-Jährige keinen Zweifel daran, dass er die Aktion bewusst provoziert hatte. „Ich wollte die Energie meiner Spieler schützen“, sagte er im Mixed-Zone-Gang. „Wenn der Schiri denkt, er kann uns mit kleinen Fragen am Rande ablenken, dann zeige ich ihm, dass wir hier nicht in einem Seminar sind.“ Die Verbandsstrafe läuft bereits. Die FA wird laut Insidern eine Sperre von zwei Spielen prüfen – das Duell gegen Liverpool am Wochenende wäre betroffen.

Die zahlen dahinter
Guardiola hat in seinen 514 Pflichtspielen als City-Trainer bereits 28 Gelbe Karten kassiert – Rekord in der Klubhistorie. Sein Assistent Rodolfo Borrell folgt mit neun. Die Staff-Kosten für Sperren und Bußgelder summieren sich seit 2016 auf umgerechnet 312.000 Pfund. Doch die sportliche Bilanz spricht für sich: Nach jedem seiner fünf Ausraster in Finals gewann City das nächste Spiel mit einem Tor Differenz. Die Statistik ist kein Trost für Arsenal, das nun seit vier Finalniederlagen gegen City in Serie wartet.
Die Liga reagierte prompt. Schiedsrichter-Chef Howard Webb kündigte für Dienstag eine Krisensitzung an. Thema: „Kommunikation an der Seitenlinie“. Dabei geht es nicht nur um Guardiola, sondern auch um die wachsende Zahl von Coach-Konfrontationen seit der Einführung der automatischen Verwarnung bei Betreten des Rasens. Zwölf Trainer haben in dieser Saison bereits mindestens zwei Gelbe Karten – mehr als in der kompletten Vorsaison.

Die stimme aus dem kader
„Wir lieben seinen Wahnsinn“, sagt City-Torhüter Ederson im Katakomben-Flur. „Er trägt uns auf seinen Schultern, manchmal eben mit einer Karte mehr im Rücken.“ Der Brasilianer lacht, doch die Anspannung ist spürbar. Die Mannschaft spürt, dass der Coach mit jedem Ausraster sein Tempo erhöht. Nach dem Pokalsieg reiste die Truppe um 2:21 Uhr nachts mit dem Polizeibegleitbus zurück nach Manchester – ohne Zwischenstopp, ohne Feier. Guardiola hatte Training für Montag 11 Uhr angesetzt.
Die Premier League wachte mit einem Kater auf. Keine Entschuldigung, keine Buße – nur ein Coach, der seine Spieler in den nächsten Kampf wirft. Die Tabelle sprht für sich: City führt drei Punkte vor Arsenal, das Derby gegen Liverpool rückt näher. Guardiola wird auf der Bank sitzen – oder eben nicht. Die FA entscheidet am Mittwoch. Bis dahin bleibt nur sein Satz, der durch die Nacht hallt: „Gib mir noch eine gelbe Karte.“ Er meinte es ernst.
