Gregoritsch kehrt zurück – ohne das tor im kopf

129 Tage nach dem Schuss, der Österreich wieder auf die Weltkarte schoss, steht Michael Gregoritsch erneut im Happel-Stadion. Doch das 1:1 gegen Bosnien, das nach 28 Jahren endlich das WM-Ticket löste, läuft nicht mehr in Dauerschleife in seinem Kopf. „Mittlerweile sitze ich nicht mehr täglich davor und schaue es mir an“, sagt der 31-Jährige trocken. Die Highlights sind auf YouTube archiviert, nicht im Kopf. Heute Abend (18.00 Uhr, live bei kicker) zählt Ghana, nicht die Vergangenheit.

Ein perfekter gegner für die standortbestimmung

Gregoritsch bestreitet gegen die Schwarzen Stars seine 73. Länderspielpartie. 23 Tore stehen in der Statistik, doch die Zahl, die er beweisen muss, ist eine andere: wie weit Österreich außerhalb Europos wirklich steht. „Extrem physisch stark, schnell umschaltend, perfekt ausgebildet“, beschreibt er die Afrikaner. Für ihn kein Freundschaftsspiel, sondern ein Stresstest. Drei Tore hat er seit seiner Winter-Rückkehr zum FC Augsburg erzielt, elf Spiele, Quote okay, Verhältnis super. Genug, um sich auch bei Ralf Rangnick nicht verstecken zu müssen.

Die Nummer neun wird er voraussichtlich wieder tragen, denn die Konkurrenz um das WM-Leiberl ist offen. In Marbella trainierte er vier Tage mit den Debütanten Paul Wanner, Carney Chukwuemeka, David Affengruber und Florian Wiegele. Sein Urteil: „Vier sehr vernünftige Jungs, smart, bringen uns weiter“. Lob vom Gregerl ist kein Smalltalk, sondern Lehrmeinung. Er selbst war einst das neue Gesicht, heute ist er der Lehrmeister.

„Jedes länderspiel ist etwas besonderes“

„Jedes länderspiel ist etwas besonderes“

Das Happel-Oval ist für ihn ein Magnet, nicht ein Museum. Er kam zurück, ohne nostalgisch zu werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendwie nochmal mehr auslöst als ohnehin schon“, sagt er über die Emotionen, die ihn erwarten. Die Erinnerung lebt, aber sie lebt nicht von ihm. Ghana bietet die nächste Bühne, und Gregoritsch weiß: jeder Sieg vor der Sommer-WM ist ein Stück Selbstverständnis. Österreich will nicht reisen, um dabei zu sein – sondern um aufzufallen.

Ab 18 Uhr wird also nicht das Tor von November gefeiert, sondern das von heute erwartet. Gregoritsch wird nicht an das 1:1 denken, sondern an das 2:0, das er plant. 129 Tage sind genug, um eine Geschichte zu beenden und die nächste zu beginnen.