Greenwood spielt die marseille-krise an der wand vorbei
Mason Greenwood schert sich einen Dreck darum, wer gerade auf der Trainerbank sitzt. Während Olympique Marseille zwischen Skandalen und Tabellendurchhängern taumelt, liefert der Engländer einfach weiter Tor um Tor ab – 25 insgesamt, 15 allein in der Ligue 1.
Die Zahl steht in fettem Kontrast zum Rest der Mannschaft. Denn wo seine Mitspieler sich in Rassenwürfen, Stadionverboten und internen Machtkämpfen verfangen, schiebt Greenwood locker die Kugel ins Netz. Letzte Saison teilte er sich die Torjägerkrone mit Dembélé, in diesem Jahr ist er schon drei Treffer vor dem damaligen Gemeinschaftswert.
De zerbi war weg, greenwood blieb
Roberto De Zerbi, der ihn gegen alle Proteste aus England holte, ist längst geschasst. Neuer Coach ist Cheikh-Baye Beye, ein Klub-Urgestein, das kurz vor dem Amtsantritt noch Sportdirektor war. Das Chaos blieb, Greenwood auch – und mit ihm die einzige Konstante des Klubs. Er trifft mit links, rechts, per Kopf, per Volley, mal schlenzend, mal donnend. Gegen Le Havre schraubte er Mitte Oktober sogar ein Viererpack auf das Scoreboard.
Dabei war der 22-Jährige längst abgeschrieben, als ManUnited ihn nach den Vorwürfen häuslicher Gewalt nach Getafe auslieh. Marseille holte ihn trotz öffentlicher Rufe des Bürgermeisters, trotz Fanprotesten, trotz Moralaposteln. De Zerbi setzte sich durch, der Vorstand stellte sich hinten an. Die Wette ging auf – zumindest sportlich.

Ein vertrag bis 2029, doch die kasse klopft schon
Grünwalder Vertrag läuft noch fünf Jahre, ein Segen für Marseille, das nach zwei Spielzeiten ohne Champions-League-Einnahmen jeden Euro umdreht. Die Klubbosse betonen öffentlich, niemanden ziehen zu wollen. Intern heißt es: „Bei 50 Millionen schweigen wir“. Ein Preis, der sich bei jedem weiteren Treffer nach oben schiebt.
Der Spieler selbst schweigt lieber zu Transfergerüchten. Stattdessen arbeitet er nach jedem Tor seinen eigenen kleinen Tanz ab, ein Mix aus Schulterzucken und herzlichem Grinsen – halb Kind, halb Killer. Die Fans im Stade Vélodrome haben längst eine neue Hymne für ihn gelernt: „Il est anglais, il est fort, il va faire pleurer tes morts.“
Die französische Liga ist gewarnt. Und der Rest Europas schaut neidisch zu, wie ein Problemkind zum Problemlöser wird – während Marseille weiter am Rande des Abgrunds tanzt und nur einer die Balance hält: Mason Greenwood, 25 Tore, eine einzige Antwort auf alle Fragen.
