Gosens weckt fiorentina: spätes 2:1 bei rakow schleust florenz ins viertelfinale
Robin Gosens springt ein, Rakow bricht ein. Die AC Florenz rattert in der 61. Minute noch müde durch Polen, sieben Minuten später klingelt es im Netz der Gastgeber – und plötzlich steht die Mannschaft von Trainer Paolo Vanoli im Viertelfinale der Conference League. Das 2:1 (0:0) im Achtelfinal-Rückspiel schmeckt wie ein Schluck Espresso nach einem Mittagsschlaf: bitter, heiß, wach.
Der plan funktioniert, weil gosens ihn kaputtmacht
Vanoli hatte Gosens auf die Tribüne verbannt, weil die Beine in den letzten Wochen schwerer wurden als die Punkte in der Serie A. Doch als Rakow durch Karol Struski die Führung erzielt und kurzzeitig die italienische Weste zerrissen ist, flattert der Zettel mit der Nummer 22 über den Platz. Gosens kommt, sprintt, zieht die Kette hoch – und genau in diesem Moment verliert der polnische Meister die Übersicht. Roberto Piccoli nutzt die Lücke, die Gosens reißt, und bugsiert das Leder zum 1:1. Die Stimmung kippt, die Fiorentina atmet.
Was folgt, ist ein offener Schlagabtausch, bei dem Marin Pongracic in der siebten Minute der Nachspielzeit den Deckel draufmacht. 2:1, Auswärtssieg, Gesamtergebnis 4:2 – und schon steht Crystal Palace als nächster Gegner parat. Die Engländer werden sich warm anziehen müssen: Florenz hat in den letzten drei Jahren zwei Finals in diesem Wettbewerb gespielt, beide verloren, beide mit Nachspielzeit-Tränen. Der dritte Anlauf ist programmiert, das Endspiel am 27. Mai im Leipziger Stadion wirft bereits seine Schatten voraus.

Zwischen abstiegskampf und europäischem traum
Die Ironie: Während die Fiorentina in der Liga gegen den Abstieg kämpft und Vanoli jede Woche neue Varianten ausprobiert, um die Tabelle nicht von hinten zu lesen, funktioniert der Europacup wie ein Kurzzeitgedächtnis. Die Mannschaft vergisst, dass sie in der Serie A nur drei Punkte über dem Strich steht, und erinnert sich daran, wie man in der Conference League gewinnt. Gosens ist dabei das lebende Beispiel für diese Spaltung: Für Deutschland war er 24 Mal nominiert, in Florenz ist er oft nur Joker – aber ein Joker, der trifft, wenn der Kartengeber zufällig das Ass zieht.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Seit 2023 hat Florenz 25 Spiele in diesem Wettbewerb absolviert, nur zwei verloren. Das ist kein Zufall, sondern ein Muster. Die Mannschaft besitzt ein europäisches Antlitz, das sich in der italienischen Realität nur selten zeigt. Wenn Gosens jetzt sagt, dass „der Pokal unsere Saison retten kann“, meint er nicht nur den Pokal, sondern die Identität, die sonst unter Scham und Abstiegsangst begraben liegt.
Die Rechnung ist simpel: Sieben Siege bis Leipzig, dann ist alles vergessen – die schlechte Liga, die verletzten Stürmer, die Trainerkritik. Gosens wird wieder starten, vielleicht nicht von Anfang an, aber er wird laufen, bis die Lunge brennt. Denn wer einmal im Finale stand, weiß, wie nah der Himmel ist – und wie schnell er zufallen kann. Florenz hat nichts zu verlieren, außer dem Abstieg. Und vielleicht genau das ist der größte Trumpf, den sie im Viertelfinale haben: die Freiheit der Verzweifelten.
