Gordo jagt mit der u21 den traum – nur ein sieg trennt vom em-ticket

David Gordo trat nach dem 2:0 gegen Kosovo vor die Mikrofone, und das erste, was man hörte, war kein Schulterklopfen, sondern der Sound eines Trainers, der weiß, wie schnell sich Stimmung drehen kann. „Diese Jungs können alles, wenn sie wollen“, sagte er und ließ die Worte kurz hängen, bevor er nachsetzte: „Weil sie hungrig sind, unverschämt jung und noch nicht müde vom Geld.“

Alcalá war nur der anfang

Im Estadio Municipal herrschte kurz vor Schluss noch Siesta-Stimmung, dann schlug Gonzalo ein und verwandelte den Platz in einen Kessel. Gordo lobte den Stürmer namentlich, aber er warnte auch: „Gonzalo ist kein Einzelfall, er ist Teil einer Welle.“ Die Welle trägt Namen wie Pablo García, der freiwillig von der Primera División ins Betis-B-Team zurückging, nur um Spielminuten zu sammeln. „Das nenne ich Charakter“, sagt Gordo und klingt dabei wie ein Lehrer, der weiß, dass Charakter selten im Komfort entsteht.

Die Tabelle lügt nicht: fünf Spiele, fünf Siege, 13:0-Tore. Doch die Mathematik ist rücksichtslos. Finnland gewann ebenfalls, und am 25. September kommt es in Helsinki zum Showdown. „Wir müssen dort gewinnen, sonst zählt die Bilanz nichts“, sagt Gordo. Die Aussage klingt simpel, aber sie enthält die ganze Rhetorik des Nachwuchsfußballs: Erst die Punkte, dann die Lobhudelei.

Der nächste halt heißt finnland

Der nächste halt heißt finnland

Luis de la Fuente schaut vom Senior-Campus hinab, und Gordo bestätigt: „Er kennt jeden einzelnen von uns, vergisst keine Nummer.“ Trotzdem verschweigt er, dass bereits drei Spieler heimlich mit der A-Nationalmannschaft trainierten. Das ist das Spiel innerhalb des Spiels: Wer ruft wann, und wer sagt nein?

Beim Thema Talentpflege verlässt Gordo die journalistische Pfadfinder-Rhetorik. „Wir machen sie nicht glücklich, wir geben ihnen nur den Raum, sich selbst zu zeigen.“ Das klingt nach Fitness-Studio-Slogan, meint aber: Wer hier nicht liefert, fliegt – unabhängig vom Instagram-Follower-Count.

Die Kabine in Alcalá roch nach Menthol und Ehrgeiz. Als die Lichter ausgingen, blieb Gordo noch fünf Minuten allein auf dem Rasen stehen, Telefon in der Hand, auf dem Display die Finnland-Analyse. Die Nacht war warm, aber er zog die Jacke enger. Ein Sieg fehlt noch, dann darf er vielleicht endlich von „wir“ statt von „die Jungs“ sprechen.