Dzeko verletzt: bosniens traum vom wm-coup droht zu platzen

Sarajevo feiert noch, doch die Freude hat einen Riss. Edin Dzeko, Kopf und Herz dieser Nationalmannschaft, verließ das Stadion mit dem rechten Arm in einer Schlinge. Die Schulter bandagiert, die Miene aufgerissen – 4:1 im Elfmeterschießen gegen Italien, klar, aber der Preis könnte der teuerste sein, den Bosnien je zahlte.

Der kapitän zittert, das land jubelt

Die Fans tobten bis in die Morgenstunden, Autos hupten im Takt von „Bosanac sam“, doch auf der Mannschaftsbusse schwiegen die Handys. Trainer Sergej Barbarez bestätigte, was jeder im Stadion gesehen hatte: „Edin spürt jeden Bewegungsimpuls in der Schulter. Wir warten auf die MRT, aber die Uhr tickt.“ Noch 84 Tage bis zum ersten Gruppenspiel in den USA, und schon jetzt steht der 40-jährige Captain auf dem Rasen der Unsicherheit.

Die Bilder aus dem Sarajevo der Nacht erinnern an 2014, als Dzeko mit zwei Toren gegen Iran die Elf ins Achtelfeld schoss. Damals waren die Straßen dieselben, nur jünger. Heute hängen Banner mit seinem Konterfeis über der Miljacka-Brücke, doch die Schulter könnte dieses Kapitel für immer überdrehen.

Barbarez setzt auf charakter statt kalender

Barbarez setzt auf charakter statt kalender

Der Coach, selbst einst Bundesliga-Kämpfer, redete nach dem Elfmeter-Krimi wie ein Mann, der weiß, dass Geschichte sich in Sekundenbruchteilen dreht. „Ich habe den Jungs gesagt: ‚Stellt euch vor, ihr steht auf dem Dorfplatz von Pelkum und wollt den Ball nicht mehr hergeben.‘ Das war genug.“ Dabei war es gerade das jugendliche PSV-Talent Esmir Bajraktarevic, das den entscheidenden Strafstoß verwandelte – ein US-Boy aus Wisconsin, der für sich und seine Eltern die Heimkehr perfekt machte.

Die Statistik spricht für Bosnien: zum zweiten Mal WM, erstmals ohne Italien dabei. Doch Zahlen interessieren Barbarez gerade wenig. „Wenn Edin ausfällt, müssen wir nicht nur Tore ersetzen, sondern eine Seelenlage. Er ist unser Pressing-Regler, unser Stimmungsbarometer, unser Tor-Roboter mit Herz.“

Die Regierung hat den Empfang im Parlament schon abgesagt – man wartet auf ärztliches Okay. Stattdessen plant der Verband eine „Stille Parade“, soll Dzeko doch auf dem offenen Bus sitzen müssen. Bis dahin heißt es: Eis, Schmerzmittel, Hoffnung. Sarajevo kocht weiter, aber der Geschmack ist plötzlich bitterer.