Kongo tanzt in richtung wm – jamaika schläft in guadalajara
Es war keine Show
, es war ein Kraftakt. Die DR Kongo hat sich in der brasilianischen Hitze von Guadalajara das vorletzte WM-Ticket geschnappt – und damit Jamaika in die bedeutungsloseste Nacht des Jahls geschickt. Der frühere Bayern- und Newcastle-Verteidiger Axel Tuanzebe schoss die Leoparden in der 100. Minute mit dem einzigen Tor des Abends ins Turnier – und vielleicht auch in die Geschichte ein.Ein tor, das alles verändert
Die Partie war lange ein Schachspiel ohne Springer: viel Bewegung, wenig Durchbruch. Kongo stellte mit Cédric Bakambu, Samuel Bastien und Yoane Wissa drei Premier-League-Starter auf, Jamaika setzte auf den einstigen Leverkusener Leon Bailey – doch der blieb isoliert wie ein Inselkind. Die erste halbe Stunde gehörte den Taktikbüchern, danach dem Zufall: ein abgefälschter Schuss, ein verunglückter Abwehrversuch, nichts, was die Torschützenliste bewegt.
Die Verlängerung war erst zehn Minuten alt, als Kongo die Ecke von links schlug. Der Ball kullerte durchs Zentrum, fand Tuanzebe, der sich selbst überraschte – und traf. 1:0. Die jamaikanische Bank explodierte in Gestik, die kongolesische in Tränen. Schiedsrichter Facundo Tello musste in der 78. Minute wegen Kreislaufkollaps ausgewechselt werden, sein Kollege Dario Herrera übernahm, ohne dass die Partie an Intensität verlor. Am Ende standen 22 erschöpfte Körper und ein neuer WM-Gast.

Gruppe k wartet mit ronaldo und co.
Für Kongo geht es im Juni nach Dallas, ins Stadion von FC Dallas, wo Portugal, Kolumbien und Usbekistan warten. Die Auslosung verspricht ein Schaukeltrip: Cristiano Ronaldo gegen Bakambu, James Rodríguez gegen Bastien, eine Gruppe, in der jeder Punkt ein Sechser im Lotto ist. Die Jamaikaner fliegen heim – ohne Tor, ohne Trost, aber mit der Gewissheit, dass sie erneut in der Karibik neu beginnen müssen.
Um 03:00 Uhr Ortszeit folgt das letzte Ticket: Irak trifft im Estadio BBVA in Monterrey auf Bolivien. Der Gewinner landet in Gruppe I mit Frankreich, Senegal und Norwegen – ein Todestrio für Außenseiter, ein Traumpool für Neutralfans. Die WM in den USA, Kanada und Mexiko rückt näher, und mit jedem Schlusspfiff wird das Feld kleiner, die Geschichten größer. Kongo ist drin. Wer als Nächstes?
