Goldkind romy klein flüchtet zur hsg freiburg – und schlägt ein neues kapitel auf
Romy Klein ist noch keine 17, trägt aber schon Gold im Gepäck. Nach dem Triumph von Skopje verlässt die Kreisläuferin den TSV Ismaning – und landet beim Zweitligisten HSG Freiburg. Für die Red Sparrows ist das kein Transfer, sondern eine Kampfansage an die Liga.
Warum freiburg? die antwort heißt rittemann
Simon Rittemann hat einen Ruf: Er formt Rohdiamanten zu Nationalmannschaftsmaterial. Klein kennt ihn von Nachwuchsturnieren, verfolgte, wie er Talente wie Lena Kienzl und Mia Zierer zu Leistungsträgerinnen schmiedete. „Ich wollte lernen, nicht nur mitspielen“, sagt sie. In Freiburg bekommt sie 2. Liga, Boarding-School und ein Team, das sich gerade neu erfindet.
Die Zahlen sprechen für sich: 1,78 m, 73 kg, 34 Treffer im A-Jugend-Bundesliga-Topspiel gegen Bietigheim. Doch die Statistik blendet Klein aus. „Ich bin Kreis, klar. Aber ich will auch die zweite Welle schieben, Tempogegenstöße initiieren. In der 3. Liga Süd war ich Doppeltorschütze, das sollte reichen.“

Ein umzug mit begleitung
Mit Hanna Mehlhaff zieht eine zweite Ismaningerin nach Baden. Die beiden verbindet mehr als der FC Bayern: gemeinsame Schulbusfahrten, geteilte Taktikbücher, WhatsApp-Gruppen namens „Goldjungs“. „Wir kennen uns blind“, sagt Mehlhaff. „Romy checkt meine Blockbewegung, ich kenne ihren Timing-Schnitt. Das spart Monate Eingewöhnung.“
Die Staudinger-Gesamtschule wartet bereits mit einem individuellen Leistungskurspaket. Mathe vor dem Frühtraining, Biologie während der Mittagspause, Handball-Theorie im Bus zur Auswärtsfahrt. Kein Luxus, sondern Notwendigkeit: Die U18-WM in Rumänien rückt näher, und Bundestrainerin Jürgens schaut auf jeden einzelnen Trainingstag.
Derweil arbeitet Rittemann bereits an der Neuaufstellung. Mit Klein auf dem Kreis entfällt die Notlösung, drei Rückraumspielerinnen zu rotieren. Stattdessen kann er eine echte 6:0-Deckung spielen, ohne Angst vor Lücken. „Sie blockt nicht nur, sie liest“, schwärmt er. „Einmal kurz, einmal lang, dann die Drehung. Das haben wir zuletzt bei Stine Oftedal gesehen, nicht bei einer 16-Jährigen.“
Die Konkurrenz in Freiburg ist verschlafen. Tabellennachbar Bensheim-Auerbach baute nach, doch kein Neuzugang kommt mit EM-Gold daher. Klein bringt nicht nur Medaillen, sondern ein Selbstverständnis: „Wenn ich nicht mindestens zweimal pro Woche an meine Schmerzgrenze gehe, habe ich verloren.“
Am 24. August empfangen die Red Sparrows im Eröffnungsspiel die HSG Blomberg-Lippe. Klein steht im Kreis, Mehlhaff im Rückraum, Rittemann an der Seitenlinie. Drei Sekunden vor Anpfiff wird sie auflaufen, die Nummer 23, das goldene Band im Haar. Dann pfeift der Schiedsrichter – und ein neues Kapitel beginnt. Keine Fanfare, nur ein leises Klacken von Stollenschuhen auf Parkett. Für Romy Klein klingt das wie Musik.
