Gladbach reist mit elvedis geist und alten demütigungen nach münchen

Die Totengräber sind schon da, nur dass sie diesmal schwarz-rot-gold tragen. 325 Minuten ohne Tor gegen den FC Bayern, fünf Pleiten in Serie, Platz 16 – für Borussia Mönchengladbach sieht die Reise zum Rekordmeister nach Prozession statt Pokalfinale aus. Doch wenn Eugen Polanski am Freitag um 20.30 Uhr die Kabine betritt, wird er einen Akteur an Bord wissen, der die Münchener Angst vor Grün-Weiß nie abgelegt hat: Nico Elvedi.

Der mann, der bayern am liebsten schlägt

Acht Siege in 22 Pflichtspielen gegen den FCB – kein aktiver Bundesligaprofi gewann häufiger gegen die Bayern. Elvedi tritt nicht als Statistiker, sondern als Erinnerung an. Er war dabei, als Gladbach am 7. Januar 2022 an einem Freitagabend mit 2:1 in der Allianz Arena jubelte. Seitdem ist München an Freitagen ungeschlagen. 15 Spiele, 15 Mal drei Punkte. Die letzte Niederlage an diesem Tag? Schrieb der Schweizer mit.

Die Zahlen sprechen sonst gegen die Borussia. 27 Tore in 24 Spielen, nur zwei Kontertreffer – das sind die Daten eines Abstiegskandidaten, nicht eines Spitzenclubs. Doch da ist diese kuriose Eigenheit der Kompany-Elf: Wenn sie patzt, dann gegen die vermeintlichen Kleinen. Augsburg (1:2), Mainz (2:2), Union (2:2), HSV (2:2) – alles Teams jenseits Platz acht. Die Bayern gewannen gegen die Top-Clubs, schenkten den Außenseitern Punkte. Die Konzentrung könnte schon beim Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Arsenal liegen.

Die geschichte lebt, solange jemand sie erzählt

Die geschichte lebt, solange jemand sie erzählt

116. Mal Bayern gegen Gladbach. Kein anderes Duo gab öfter den Bundesliga-Duft der 70er Jahre aus. 28 Niederlagen fügten die Fohlen dem Rekordmeister zu – mehr als jeder andere Klub. Die 143 Treffer sind Rekord, die 59 Punktgewinne entsprechen 51 Prozent aller Duelle. Nur Wattenscheid hat eine bessere Quote gegen die Bayern, aber die spielen in der Regionalliga.

Die Schere klafft mittlerweile 34 zu 5 Meistertiteln. Doch Geschichte ist kein Schutzwall, sondern ein Spiegel. Sie zeigt, dass Selbstbewusstsein keine Frage der Tabelle ist. Polanski weiß das. „Wenn wir vorab sagen, wir sind chancenlos, können wir zu Hause bleiben.“ Seine Mannschaft braucht den Erfolg im Abstiegskampf, nicht in der Europa-League-Hoffnung. Der 1:0-Elfmeter gegen Union war kein Befreiungsschlag, sondern ein Stimmungsaufheller. Die Chancenverwertung blieb miserabel. Genau das muss besser werden, wenn man 73 Prozent Ballbeslastung des Gegners nicht nur überstehen, sondern bestrafen will.

Robin Hack fehlt mit Faserriss, Kota Takai kehrt zurück. Die Personallage ist kein Drama, sondern ein Puzzle. Polanski wird seine Elf auf Konter und Standards trimmen. Die Bayern haben in dieser Saison schon 11 Gegentore nach Eckbällen kassiert – nur Bochum und Heidenheim mehr. Eine Ecke, ein Elvedi-Kopfball, ein Fünkchen.

Am Ende zählt kein Fakt, sondern ein Ergebnis. Die 3:0-Demütigung aus dem Hinspiel war keine Kampfansage, sondern eine Lektion. Gladbach lernte, dass Besitz ohne Durchschlagskraft nichts wert ist. München lernte, dass Überheblichkeit trotz Dominanz tödlich sein kann. Der Freitagabend bietet die Bühne für eine alte Rivalität, die längst keine Spitzenpartie mehr ist – aber eben auch keine Beerdigung. Elvedi wird auflaufen. Und solange er das tut, lebt die Hoffnung, dass die Totengräber einmal die falschen Adressen haben.