Gidsel jagt den nächsten cl-kanonen-titel – prandi lauert nur fünf treffer dahinter
120 Tore nach 13 Spielen – Mathias Gidsel schießt sich mit Tempo 180 auf den zweiten Champions-League-Torschützenkönig-Titel zu. Der dänische Weltspieler führt die aktuelle Rangliste 2025/26 souverän an, doch im Rückspiel der Play-offs könnte der Abstand schmelzen.
Prandi legt den turbo ein
Hinter Gidsel wartet Elohim Prandi mit 115 Treffern. Der französische Linksaußen von Paris Saint-Germain erzielte in den Hinspielen zwei Siebtore und verkürzte so auf fünf Tore – eine Menge, wenn man bedenkt, dass PSG in der Rückrunde bislang die meisten Tempogegenstöße der Liga läuft. Prandi trifft im Schnitt alle 7,3 Würfe, Gidsel braucht 7,6 – ein Hauch entscheidet möglicherweise am Ende.
Die dritte Rolle spielt Frederik Bjerre von GOG Handbold. Der Däne steht bei 112 Toren, profitiert von der bislang längsten Europapokal-Reise seines Klubs. GOG musste in der Gruppenphase gegen Barcelona, Kielce und Zagreb ran – Spiele, in denen Bjerre 34 seiner Treffer erzielte. Ohne diese Hochbelastung wäre er wohl noch näher an der Spitze.

Deutsche akteure kämpfen im mittelfeld
Die Bundesliga bleibt zwar ohne Spitzenreiter, liefert aber Konstante. Omar Ingi Magnusson (SC Magdeburg) hält mit 72 Treffern Rang zwölf, Tobias Gröndahl von Gidsels Füchsen folgt mit 71 Treffern. Beide profitieren von klaren Rollen: Magnusson ist fest für Siebenmeter zuständig, Gröndahl läuft die Kreisposition aus und erhält so viele Räume, weil Gegner Gidsel doppeln.
Die Statistik der EHF zeigt: Erst ab Platz elf tauchen deutsche Akteure auf – ein Hinweis darauf, dass deutsche Clubs eher kollektiv treffen als auf Einzelkanonen zu setzen. Magdeburg erzielte in der Gruppenphase 398 Tore, nur Barcelona war treffsicherer. Der SC-M-Kader verteilt sich auf zwölf Spieler mit zweistelligem Toranteil – ein Konzept, das in der K.o.-Phase zahlt.

Zahlen, die lügen können
Die Tabelle blendet ein Faktum aus: Gidsel brauchte 13 Partien, Prandi bereits 15. Rechnet man die Treffer pro Spiel, liegt der Fuchs mit 9,23 vor Prandi (7,67). Das klingt nach klarem Vorteil – bis man bedenkt, dass Gidsel in der Rückrunde dreimal mit leichten Adduktorenproblemen pausierte. In den beiden Spielen, in denen er nur kurz eingesetzt wurde, kam er auf lediglich fünf Tore. Nimmt man diese heraus, steigt sein Schnitt auf 10,7 – Weltklasse, aber eben auch eine Zahl, die seine körperliche Belastung offenlegt.
Die Frage lautet nicht mehr, ob Gidsel die 130-Tore-Marke knackt – das dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Entscheidend ist, ob er bis zum Final Four noch durchhält. Die letzten beiden Jahre zeigten: Wenn Gidsel zuletzt fit ist, gewinnt Füchse Berlin. Fällt er aus, bröckelt das System. Die Königsklasse 2025/26 ist längst zur Dauerbelastungsfrage geworden – und Gidsel hat die Antwort bisher in jedem Spiel aufs neue gegeben.
