Gattuso wirft hin: italien sucht nach dem wm-desaster einen neuen retter

Die Azzurri stehen wieder ohne Trainer da. Gennaro Gattuso trat am Karfreitag zurück, kaum 24 Stunden nach dem Elfmeter-Debakel in Sarajevo. Italien flog raus, die Machtfrage bleibt offen.

Warum gattuso geht und conte oder mancini winken

Warum gattuso geht und conte oder mancini winken

Die Entscheidung fiel im Ferngespräch, kurz nach dem Frühstück. Gattuso, 48, kündigte seine Ablösung „im beiderseitigen Einvernehmen“, doch hinter den Kulissen tobte ein Machtkampf. FIGC-Präsident Gabriele Gravina, selbst abgewählt, musste seinen Schützling fallen lassen. Der Vertrag bis 2026 ist Makulatur. Gravina dankte trotzdem: „Er hat das blaue Trikot wieder zum Glühen gebracht.“ Die Wahrheit: Nach 180 Tagen Amtszeit endet Gattusos Experiment mit dem Trauma von 2018 und 2022.

Das Elfmeterschießen in Zenica war der finale Schock. Bosnien-Herzegowina schoss sich in die Playoff-Finals, Italien schlurfte zum dritten Mal nacheinander vorbei an einer WM. Die Statistik nagt: Kein Turnier in Russland, Katar, nun auch nicht in den USA. Die Fans skandierten „Vergogna!“ („Schande!“), die Spieler starrten ins Leere. Gattuso sprach von „schwerem Herzen“, doch intern kursiert ein Satz: „Er hatte keine Antwort auf die tiefste Krise seit 60 Jahren.“

Die Nachfolgerliste ist kurz und heiß. Antonio Conte, derzeit ohne Klub, wartet auf einen Anruf. Er kennt das Desaster: 2018 verpasste er mit Chelsea die Champions League, schaffte aber die Rückkehr. Roberto Mancini, der Europameister von 2021, ist nach seinem Aus bei Saudi-Arabien verfügbar. Insider nennen auch Luciano Spalletti, der mit Napoli die Serie A dominierte, doch der will den Klub-Kurs erst Ende Saison beenden. Die FIGC will bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung am 22. Juni Klarheit. Bis dahin übernimmt wohl ein Interimstrainer, wahrscheinlich Alberico Evani, bisher Gattusos Assistent.

Die personelle Säuberung betrifft nicht nur den Trainer. Sportdirektor Gianluigi Buffon, 47, legte sein Amt nieder. Der einstige Weltmeister spricht von „neuer Aufbruchstimmung“, doch hinter vorgehaltener Hand murren Ligapräsidenten: „Wir brauchen keine Sympathieträger, wir brauchen einen Plan.“ Der Plan steht auf dem Papier: Juniorencampus, Datenanalyse, Mentalcoach. Doch wer setzt ihn um?

Die EM 2028 in Italien rückt näher, die Quali beginnt 2026. Die Uhr tickt. Die Fans fragen sich nicht, wer kommt, sondern: Bringt der Neue den Stolz zurück? Die Antwort wird in den nächsten 80 Tagen fallen – genau zwischen der Präsidentenwahl und dem ersten Testspiel im September. Bis dahin bleibt das blaue Trikot ein leeres Versprechen.