Siewert nach zweitem schlaganfall: „ich will zurück an die linie“

Jaron Siewert sitzt nicht am Küchentisch, um zu jammern. Er spricht, weil er wieder angreifen will. Drei Monate nach dem zweiten Schlaganfall zeigt der 32-Jährige die Karten, die ihm niemand auf den Tisch legen wollte.

Der ehemalige Füchse-Berlin-Coach verrät im Gespräch mit Dyn, dass der Vorfall im Oktober passierte – zwei Monate nach seinem unrühmlichen Exit aus der Hauptstadt. „Da bin ich wirklich am Boden angekommen“, sagt er. Die Ärzte hätten Stress als Auslöser ausgeschlossen. Stattdessen steht ein Blutverdünner im Fokus, der ihm nach Schlaganfall Nummer eins verordnet wurde. Die Nebenwirkung: ein zweiter, heftiger Schlag.

Der tag, an dem hanning die reißleine zog

September 2025: Bob Hanning lädt Siewert und Sportvorstand Stefan Kretzschmar zur Krisensitzung. Minuten später sind beileibe freigestellt. Der Grund: interne Streitigkeiten, Erfolgsdruck nach dem historischen Meistertitel. Siewert behauptet, ein neues Angebot bereits unterschrieben zu haben – bis Hanning „eine Rolle rückwärts“ machte. Die Trennung erfolgt ohne Abschiedsvideo, ohne Dank, ohne Geld. „Wir haben die letzten Monate mit Anwälten verbracht“, sagt er trocken.

Die Folge: ein Karriere-Reset bei Null. Siewert fliegt nach Hamburg, lebt bei seinen Eltern, sortiert Medikamente. Drei Mal pro Woche Reha. Kein Verein wagt es, den Risiko-Patienten zu verpflichten. „Gespräche mit drei, vier Klubs waren konkret“, verrät er. „Dann kam der zweite Schlag – alle zogen sich zurück.“

Plan a lautet: sofort wiederkommen

Plan a lautet: sofort wiederkommen

Mittlerweile trägt er keine dunkle Brille mehr, um die halbseitige Gesichtslähmung zu verstecken. Die Sprache ist wieder flüssig, die Hand keine Faust. „Ich bin voll belastbar“, sagt er und meint: bereit für 60 Spiele, 80 Trainingseinheiten, die Play-offs. Die Lizenz haben die Ärzte unterschrieben, fehlt nur noch ein Arbeitgeber.

Der Markt ist leer. Krickau übernahm in Berlin die Doppelrolle, Gislasson wechselt nach Magdeburg, Smits verlängert in Kiel. Siewert schaut trotzdem nach vorne: „Ich will nicht ins TV, nicht ins Management. Ich will die Bank, die Kabine, den Geruch von Eispray.“

Die Uhr tickt. In zwei Wochen startet die Vorbereitung 2026/27. Wer einen jungen Meistertrainer sucht, den kein Schlaganfall aufhält, sollte jetzt anrufen. Sonst macht es der nächste Klub – und Siewert feiert sein Comeback woanders.