Laser statt skalpell: prostatakrebs jetzt punktgenau verbrennen
Milano – Ein Lichtstrahl richtet sich auf die Zelle, die den Tod bringen soll. Sekunden später ist der Tumor verdampft, die Prostata selbst bleibt intakt. Was sich wie Science-Fiction liest, ist seit letzter Woche Routine im Istituto di Cura Città di Pavia: Urologie-Chef Dimitrios Choussos führte die erste Focal Laser Ablation (FLA) an einem lokalisiertem Prostatakarzinom durch – und löste damit das Prinzip „alles raus oder alles strahlen“ ab.
Warum männer künftig den op-termin absagen dürfen
Prostatakrebs ist kein Schicksal mehr. Mit 20 Prozent allonko Malignome bei Männern führt er die Statistik an, doch die neue Methode schrumpft die Betroffenenliste rapide. „Wir schießen nur auf das, was sich bewegt“, sagt Choussos. Dank multiparametrischer MRT und Fusion-Biopsaten lässt sich der Aggressor millimetergenau orten. Ein Katheter schleust einen Laserfaser ins Organ, 90 Grad Hitze veröden die Läsion – Patient geht am selben Tag nach Hause, Kontinenz und Potenz bleiben erhalten.
Die Zahl, die Klinikdirektoren nervös macht: Bei Low- bis Intermediate-Risk-Tumoren reduziert das Verfahren stationäre Liegetage um 85 Prozent. Die bisherige Standart-Therapie – radikale Prostatektomie oder perkutane Bestrahlung – verursacht nach Bundesgesundheitsblatt jährlich 42.000 Inkontinenz- und 18.000 Impotenz-Neuerkrankungen. Choussos‘ Antwort: „Wir verhindern Lebensqualitätsverlust, nicht nur Krebs.“

So läuft die session in der ablation-bay ab
Narkose? Fehlanzeige. Der Mann liegt auf dem Tisch, bekommt eine Prostadraht-Schienung, anschließend trägt er selbst die Boxershorts wieder. Dauer: 38 Minuten. Die Hitze sonoriert in Echtzeit unter MRI-Kontrolle, ein Software-Algorithmus verhindert Überschneidungen mit dem Harnröhrensphinkter. Kosten: 4.800 Euro – die Kasse zahlt, seit die SHI-Technikfolgenabschätzung im Januar die „vergleichbare Nutzen“-Klausel aktivierte.
Limitiert ist das Verfahren auf Tumoren mit Gleason-Score ≤ 3+4 und Volumen <0,5 ml. Doch das betrifft nach RKI-Angaben 63 Prozent der Neudiagnosen. Choussos plant eine Multicenter-Studie mit 500 Patienten, um das fünf-Jahres-Rezidivrisiko von aktuell 7,3 Prozent noch zu drücken. Erste Daten will er auf der EAU im März 2025 präsentieren.
Für Italiens Gesundheitssystem ist die FLA ein Glücksfall: Die Region Lombardei spart pro Fall 3.200 Euro Bettenkosten, die Kasse vermeidet Folge-OPs. Der Patient spart sich Scham. Choussos‘ Kommentar trocken: „Wenn der Laser die Prostata trifft, trifft er auch den Kostentreiber.“
