Kuscheln gefährlich? wie wir unsere keime teilen und was das für die gesundheit bedeutet

Wer sich liebt, teilt – auch seine Bakterien. Eine neue Studie zeigt, dass die Nähe zu unseren Liebsten unsere Darm- und Mundflora entscheidend beeinflusst. Was zunächst banal klingt, birgt überraschende Folgen für unsere Gesundheit, insbesondere im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen.

Die keim-community: mehr als nur mitbewohner

Die Erkenntnis, dass wir unter unserem Gesicht eine komplexe Gemeinschaft aus Mikroorganismen beherbergen, ist bereits länger bekannt. Doch die Forschungsgruppe um Nicola Segata an der Universität Trient hat nun ein neues Maß erreicht. Sie analysierte nicht nur, welche Bakterienarten in den Körpern von 808 Freiwilligen vorkamen, sondern untersuchte die einzelnen Stämme – und entdeckte erstaunliche Parallelen zwischen Menschen, die eng zusammenleben.

Besonders deutlich wurde dieser Effekt bei Paaren. Während die Bakteriensammlung im Darm bei allen Mitbewohnern ähnlich aussah, zeigte sich beim Austausch von Bakterien im Mundraum ein noch deutlicheres Muster: 44 Prozent der Stämme waren identisch. Der Grund dafür ist banal, aber wirkungsvoll: Körperlicher Kontakt, insbesondere Küsse, ermöglicht den Mikroorganismen einen direkten Weg vom einen zum anderen Körper.

Die Studie verfolgte zudem über Monate hinweg, wie sich die Mund- und Darmflora der Probanden veränderte. Dabei stellte sich heraus, dass etwa 14,7 Prozent der oralen Stämme und 5,8 Prozent der intestinalen Stämme sich im Laufe der Zeit austauschten. Ein ständiger Austausch, der unsere Keimwelt grundlegend prägt.

Gefährliche keime im gemeinsamen bett?

Gefährliche keime im gemeinsamen bett?

Aber teilt man nicht auch schädliche Bakterien mit seinen Liebsten? Tatsächlich fanden die Forscher heraus, dass bestimmte Bakterien, die sich besonders leicht von Mensch zu Mensch übertragen, auch mit einer schlechteren Herz-Kreislauf-Gesundheit und Stoffwechselstörungen in Verbindung stehen. Sellimonas intestinalis, ein Bakterium, das häufig zwischen Mitbewohnern ausgetauscht wird, schnitt in den Bewertungen besonders schlecht ab. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Bakterien die Ursache für Krankheiten sind, sondern lediglich, dass sie häufig bei Betroffenen nachgewiesen werden.

Ein weiterer überraschender Befund: Bakterien aus dem Mundraum wandern offenbar in den Darm ein. Die Wissenschaftler fanden die gleichen Bakterien in sowohl in Speichel als auch im Stuhl der Probanden – oft sogar identische Stämme. Der Mund fungiert also als eine Art Keimreservoir, das den Austausch zwischen den Bewohnern eines Haushalts, insbesondere zwischen Bettpartnern, begünstigt.

Es ist eine faszinierende Erkenntnis: Unsere Darmflora ist nicht nur das Ergebnis unserer Ernährung und Lebensweise, sondern auch ein Spiegelbild unserer Beziehungen. Wer also sein Leben mit anderen teilt, teilt auch ihre Keime – und damit möglicherweise auch ihre Gesundheitsrisiken.

Die Studie zeigt, dass wir uns der engen Verbindung zwischen unserer Umgebung und unserem Mikrobiom bewusst werden müssen. Denn die Keime, die wir teilen, können unsere Gesundheit maßgeblich beeinflussen.