Herz-op stoppt niklas behrens: visma-routinier fällt monatelang aus

Niklas Behrens bekommt am 31. März einen Katheter in die Herzkranzarterie geschoben. Der 22-Jährige hat Arrhythmie. Die minimal-invasive Ablation bedeutet das Aus für den Rest der Saison – und wirft Fragen über die Belastbarkeit des U23-Weltmeisters von 2023 auf.

Kein sturz, kein training: der körper streikt lautlos

Seit dem Trainingssturz im Februar 2025 saß Behrens kein einziges Mal wieder auf dem Rad. Stattdessen spürte er ein Zittern in der Brust, Herzrhythmus-Aussetzer, die sich beim Anstieg nicht wegtrainieren ließen. Visma-Lease-a-bike schickte ihn durch das niederländische Sportmedizin-Netzwerk; die Diagnose lautet: Vorhofflimmern. Ein Zustand, der bei Ausdauersportlern häufiger vorkommt, als die Statistik verrät – aber selten vor dem 30. Lebensjahr auffällt.

Die Lösung ist chirurgisch simpel, psychologisch brutal. Ein Schlauch vom Leistenbereich ins Herz, Gewebe veröden, Irritation beseitigen. Drei Stunden OP, eine Nacht Intensivstation, sechs Woche absoluter Sportverzicht. Danach beginnt das Warten: das Sinus-Rhythmus-Monitoring, das langsame Heranführen an Belastung, die Angst vor Rückfall. „Ich werde meine Genesung mit demselben Fokus angehen, mit dem ich jedes Rennen bestreite“, sagt Behrens – ein Satz, der klingt, als hätte er ihn vorher auf die PowerPoint-Titelseite seiner Reha gestellt.

Zweiter karriere-rückschlag binnen zwölf monaten

Zweiter karriere-rückschlag binnen zwölf monaten

Erst Januar 2025: Schlüsselbeinbruch bei der UAE Tour. Jetzt Herzkatheter. Ein Sprinter, der sich auf Zeitfahren spezialisiert, muss in der Lage sein, 1.200 Watt für 20 Sekunden freizusetzen. Wenn das eigene Herz dazwischenkippt, wird aus Power ein Roulette. Die Teamärzte sprechen von „Routine“, doch der Begriff täuscht. Jede zweite Ablation muss wiederholt werden, die Rezidiv-Quote liegt bei 30 %. Und selbst wenn das Myokard stabil bleibt: Das mentale Gedächtnis schlägt schneller, als man sprintet.

Für Visma-Lease-a-bike entfällt ein Klasse-Fahrer für die Tour-Saison. Für Behrens entfällt das zweite Profijahr, in dem er sich eigentlich für die großen Etappenrennen empfehlen wollte. Die U23-Weltmeisterschaft von 2023 ist längst abgehakt, der Sprung ins WorldTour-Topfeld verzögert sich um zwölf Monate – oder länger. Die Frage ist nicht mehr, ob er zurückkommt, sondern: kommt er als derselbe Fahrer zurück?

Die Antwort liegt in Bremen, wo er seine ersten Runden drehte, und in den nächsten 180 Tagen, in denen sein Brustkorb still wird – und das Rad stehen bleibt.