Herz-op stoppt niklas behrens: visma-profi fällt monatelang aus
Niklas Behrens muss sich Ende März einem Eingriff an seinem Herz unterziehen. Die Rhythmusstörungen, die den 22-Jährigen seit Wochen plagen, lassen keine andere Wahl. Für Visma | Lease a Bike und den Bremer bedeutet das: Saisonstart mit Fragezeichen.
Die diagnose kam beim routine-check
Teamärzte hatten Unregelmäßigkeiten entdeckt, als sie den Radsport-Neuling nach seinem Sturz im Februar erneut durchleuchteten. Eine Ablation, minimal-invasiv, aber mit Folgen. „Wir rechnen mit mehreren Monaten Pause“, sagt Teamsprecher Maarten Wynants. Der Eingriff gilt als Standard, doch bei einem Profi, dessen Puls im Sprint auf 200 schießt, ist nichts routine.
Behrens selbst klingt, als hätte er gerade die erste Bergzeitfahrt seines Lebens verloren: „Ich bin dankbar, aber ich bin auch sauer.“ Dankbar für das medizinische Netzwerk, das Visma um ihn spannt. Sauer, weil er gerade erst den Schlüsselbeinbruch der UAE Tour verdaut hatte und im windkanalgetesten Trikot der Niederländer endlich Gas geben wollte.

U23-weltmeister mit altem problem
Bereits als Junior hatte er mit vereinzelten Extra-Schlägen zu kämpfen. Die wurden ignoriert – bis sie es nicht mehr waren. „Ich dachte, Sport würde das Herz nur stärker machen“, sagt er im Telefonat. Stattdessen verstärkte das Training die Episoden. Die Folge: kalte Startnummern, keine Renneinsätze seit dem Sturz Mitte Februar.
Die Logik hinter der Ablation ist simpel: Katheter fahren durch die Leiste, veröten Störfelder, Herzschlag wieder im Takt. Die Realität: drei Monate ohne Rad, vielleicht vier. Das bedeutet, dass der Deutsche seine Grand-Tour-Chance 2026 vorerst aus dem Sofa verfolgt.
Visma baut umgebung neu
Sportdirektor Merijn Zeeman musste die Frühjahrsplanung umschreiben. Strade Bianche, Dwars door Vlaanderen, alle Klassiker ohne den Mann, der in Glasgow 2024 im Regen die Regenbogentruhe holte. „Wir setzen auf Transparenz“, sagt Zeeman. „Niklas bekommt alle Zeit, die nötig ist.“ Kein Zielrennen genannt, kein Datum. Nur das Versprechen: „Wenn er zurückkommt, holen wir ihn nicht in einem Auto hinterher, sondern in Form.“
Für Behrens beginnt jetzt die seltsame Phase des Wartens. Keine Intervalle, keine Strava-Herausforderungen. Stattdessen Pulsmessung im Liegen, Physiotherapie, Geduld. „Ich werde mit demselben Fokus genesen, mit dem ich jedes Rennen bestreite“, sagt er. Klingt nach PR-Sprech, aber wer ihn kennt, weiß: Er meint es. Als Jugendlicher fuhr er schon 30-Stunden-Wochen, nur um in der Gruppe vorne mitzureden.
Comeback bleibt offen
Die Saison ist lang, die Herzen von Visma-Fans schlagen trotzdem schwer. Das Team verlor zuletzt schon Wout van Aert für Monate, nun der Nachwuchshoffnungsträger. Die Konkurrenz bei Ineos und UAE liest mit. Ein Comeback 2026? „Möglich, aber nicht garantiert“, sagt Kardiologe Dr. Rik de Boer. „Erst muss das Herz lernen, dass es kein Feind ist, sondern ein Partner.“
Behrens selbst will sich nicht in die Karten schauen lassen. Er hat sich ein Ziel gesetzt: Die Deutschland-Tour im September. „Wenn ich dort starte, ist alles gut. Wenn nicht, wird es 2027.“ Kein Pathos, kein Sentiment. Nur die nüchterne Erkenntnis, dass Sport manchmal über das Herz entscheidet – und nicht über die Beine.
