Nagatomo: fünf weltmeisterschaften – ein samurai schreibt geschichte!

Yuto Nagatomo, der japanische Fußballveteran, hat ein historisches Kapitel aufgeschlagen: Als erster asiatischer Spieler überhaupt bestritt er fünf Weltmeisterschaften. Doch seine Reise ist mehr als nur eine Zahl – sie ist eine Geschichte von Durchhaltevermögen, persönlicher Stärke und einer gehörigen Portion Humor.

Ein name im orbit: die geschichte des “asteroiden” nagatomo

Die Geschichte des 39-jährigen Nagatomo ist geradezu skurril. Angeblich existiert sogar ein Asteroid, der nach ihm benannt wurde und die Erde umkreist. Doch der echte Nagatomo, mit seiner unverkennbaren weißen Bandana und seinem ansteckenden Lachen, feierte kürzlich einen ganz persönlichen Rekord. Vier Auftritte bei der WM 2010, drei 2014, weitere vier in den Jahren 2018 und 2022 – eine bemerkenswerte Bilanz, die ihn zu einer Legende macht.

Besonders ironisch: Nagatomo erreichte dreimal das Viertelfinale. Die Zahl “vier” wird im japanischen als “shi” ausgesprochen – und bedeutet gleichzeitig “Tod”. In Japan scheuen viele Bauherren den vierten Stock. Doch Nagatomo scheint diese Zeichen nicht zu fürchten. Im Gegenteil: Er blickt nach vorne, unterstützt von seinem Nationaltrainer Moriyasu, der ihm in Houston einen weiteren Einsatz ermöglichte, als Japan gegen Schweden spielte. Ein letztes Mal stand Nagatomo auf dem Rasen, versuchte sich in ein paar Vorstößen und feierte gemeinsam mit seinen Teamkollegen den Einzug ins Achtelfinale, wo Brasilien wartet.

Houston, Texas – der Standort der NASA, wo Asteroiden entdeckt werden, bevor sie die Erde erreichen – scheint ein passender Ort für das nächste Kapitel in Nagatomos Karriere zu sein. Sein Weg begann in Saijo, einer Stadt, deren Name “westliches Viertel” bedeutet. Der Vater betrieb eine Kiosk, die Mutter kümmerte sich um den Haushalt, und der junge Yuto jagte dem Ball hinterher. Doch seine Jugend war nicht nur von Fußball geprägt: Mit 18 Jahren durchlebte er eine schwere depressive Phase und verbrachte viel Zeit in Spielhallen. Die Rettung kam durch seine Schwester und das Studium – er erwarb einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften und spezialisierte sich auf Geschichte, sogar mit einer Arbeit über die britische Kultur.

Seine Zeit bei Inter Mailand bot ihm die Möglichkeit, sich in die europäische Kultur einzutauchen. Manchester United bot ihm damals ein verlockendes Angebot, aber Nagatomo entschied sich, in Italien zu bleiben. Ein Schritt, der sich als richtig erwiesen hat.

Ein japanischer original: humor, verletzlichkeit und die liebe zu umeboshi

Ein japanischer original: humor, verletzlichkeit und die liebe zu umeboshi

Nagatomo ist alles andere als ein reservierter Spieler. Er ist ein Original, ein Mensch mit Humor und einer gewissen Naivität. In Cesena, seiner ersten Station in Italien, ging er gemeinsam mit Marco Parolo durch die Geschäfte und fragte nach der italienischen Übersetzung für alltägliche Dinge. Die Geschichten, wie Nagatomo mit seinem holprigen Italienisch die Verkäufer zum Lachen brachte, sind legendär. Auch bei Inter sorgte er für Lacher, als er dem damaligen Präsident Moratti ein fröhliches “Ciao bastardo!” zur Begrüßung entgegenschickte – auf Anraten von Sneijder und Co.

Seine Hochzeit verkündete er über Twitter, ohne dabei den Namen seiner Frau, der Schauspielerin Airi Taira, zu nennen. Mit ihr hat er vier Söhne. Nagatomo ist ein Mensch voller Kontraste: reserviert, aber nicht schüchtern, lächelnd, aber entschlossen, humorvoll, aber emotional. Als er die Nachricht über seine WM-Nominierung erhalten hatte, brach er in Tränen aus. Er dachte an die Opfer, die Kämpfe und den Beginn seiner Karriere zurück. Der Grund für seine unbändige Leidenschaft? Er wollte das hübscheste Mädchen seiner Schule beeindrucken und beliebt werden.

Und wie hält er sich mit fast 40 Jahren noch fit? Mit “Umeboshi” – getrockneten Pflaumen, die reich an Salpeter sind. Das Geheimnis seiner Langlebigkeit. Nagatomo verkörpert den Bushido-Kodex der Samurai, dessen zweites Gebot, “Yu”, für heldenhaften Mut steht. Vielleicht kann er ja doch noch das Tabu des Viertelfinales brechen.