Bari: vom aufstiegskandidaten zum drittligisten – ein sportlicher abgesang

Bari, einst kurz vor dem Paradies, stürzt ab. Der Traum von der Serie A ist zerplatzt, der Fall in die Drittklassigkeit besiegelt. Die Fans sind enttäuscht, die Stadt wütend – und die Frage nach der Zukunft des Vereins drängt sich auf.

Die verpasste chance und der bittere abstieg

Nur drei Jahre sind vergangen, seit Bari die Fußballwelt in Atem hielt. Die Hoffnung auf den Aufstieg in die Serie A war greifbar, doch am letzten Spieltag gegen Cagliari wurde dieser Traum in der Nachspielzeit zunichte gemacht. Der Knackpunkt: Nur wenige Wochen später, am 22. Mai in Bolzano, folgte der endgültige Absturz in die Serie C. Bari ist nun die bevölkerungsreichste Stadt Italiens in der Drittklassigkeit – eine Situation, die für explosive Gemütslagen sorgt.

Die Schuldzuweisungen fallen eindeutig aus: Die Familie De Laurentiis, Eigentümer des Vereins, stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Die Fans werfen ihnen vor, die Interessen des SSC Napoli über den des Bari SSC zu stellen. „Es ist ein Deal, kein Asset“, so der Tenor. Die Äußerungen von Aurelio De Laurentiis, der Bari als „zweites Team“ bezeichnete, schockten die Anhänger, woraufhin sein Sohn, der Vereinspräsident Luigi De Laurentiis, sich gezwungen sah, diese Aussagen zu distanzieren.

Doch die Probleme liegen nicht nur bei der Eigentümerfamilie. Auch die Politik trägt eine Mitschuld. Im Jahr 2018, nach dem erneuten Konkurs des FC Bari, übergab die FIGC den Sporttitel an den damaligen Bürgermeister Antonio Decaro. Dieser wählte die De Laurentiis aus, um den Neuanfang in der Serie D zu verantworten. Eine Entscheidung, die nun bitter aufschmeckt.

Die Enttäuschung ist groß: Die Stadt fordert den Verkauf des Vereins. Die Investitionen der letzten Jahre waren mager, und die UEFA-Regeln zur Vermeidung von Mehrfachbesitzungen erfordern eine Klärung bis 2028.

Ein verein zwischen tradition und verfall

Ein verein zwischen tradition und verfall

Die Fans sind mehr als nur Zuschauer – sie sind ein Teil der Identität Baris. Die Farben Weiß und Rot stehen für Glauben und Leidenschaft. Der Abstieg in die Serie C ist eine Demütigung für eine Stadt mit über 300.000 Einwohnern und einer Millionen-Metropole. Bari ist ein Magnet für Investoren und Touristen – ein Kontrast zur aktuellen sportlichen Misere.

Die Kritik an den De Laurentiis richtet sich nicht nur gegen die mangelnde Investitionen, sondern auch gegen die Inkonstanz in der sportlichen Führung. Trainerwechsel und Kaderumbildungen in schneller Folge haben den Verein destabilisiert. Der aktuelle Bürgermeister Vito Leccese erinnert an das gebrochene Versprechen der De Laurentiis aus dem Jahr 2018: ein Jugendleistungszentrum, ein Frauenfußballteam und eine stärkere Einbindung der Stadt in die Vereinsstrukturen blieben unerfüllt.

Luigi De Laurentiis versuchte, die Situation zu beschwichtigen: Er betonte die Erfolge des Vereins seit dem Neuanfang, die finanzielle Stabilität und die gute Verwaltung. Dennoch räumte er ein, dass er sich bei den Fans entschuldigen müsse. Aber die Entschuldigung allein reicht nicht aus.

Die Zukunft des SSC Bari ist ungewiss. Filippo Melchiorre, Senator aus Bari und Mitglied des Ausschusses gegen Mafia im Sport, fordert einen schnellen Verkauf des Vereins. Er kritisiert die Entscheidung von Bürgermeister Decaro im Jahr 2018 und wirft ihm vor, die Angebote anderer Investoren, darunter auch Massimo Lotito, nicht ausreichend geprüft zu haben.

Die Fans wollen zurück zum Ursprung, zu einer Zeit, in der lokale Unternehmer den Verein unterstützten. Massimo Vitti, Mitglied des Liberty-Clubs und Fan von Bari Capitale, betont die Bedeutung der Treue und Solidarität – auch in der Drittklassigkeit. „Die Reise ist wichtiger als das Spiel“, sagt er.

Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Der neue Sportdirektor Pierpaolo Marino und die angekündigten Investitionen in den Nachwuchs könnten ein Lichtblick sein. Doch die größte Herausforderung bleibt die Suche nach einem neuen Eigentümer, der die Leidenschaft und die Tradition des SSC Bari teilt – und der bereit ist, in die Zukunft des Vereins zu investieren. Der Ruf nach Veränderung ist ohrenbetäubend.

Bari steht am Scheideweg. Ob der Verein den Abgrund überwinden und wieder aufsteigen kann, hängt von der Bereitschaft zur Veränderung und der Unterstützung der Fans ab. Die Zeit drängt.