Saudi-arabien lockt spanische talente: ein historischer deal mit schattenseiten
Die Fußballwelt blickt mit wachsende Aufmerksamkeit auf die intensiven Beziehungen zwischen Spanien und Saudi-Arabien. Während spanische Trainer und Spieler in Scharen in die Wüste ziehen, birgt dieser Boom auch eine bewegte Vergangenheit und unerwartete Wendungen, die fast vergessen waren.
Die anfänge einer ungewöhnlichen partnerschaft: di stéfano und puskás
Die jetzige Begeisterung für saudische Investitionen im spanischen Fußball ist kein neues Phänomen. Bereits in den 1970er Jahren versuchte die saudische Königsfamilie, den eigenen Fußball zu revolutionieren – und Spanien war das bevorzugte Ziel für die Suche nach Expertise. Der Plan war simpel: Geld. Viel Geld. Und der Traum: Eine Weltklasse-Mannschaft.
Zunächst versuchte man, Alfredo Di Stéfano, die Legende des Real Madrid, zu ködern. Doch „La Saeta“ lehnte ab, bevor Héctor Rial Rial, ein weniger bekannter, aber dennoch erfahrener Spieler, sich dem Abenteuer in Saudi-Arabien öffnete. Mit ihm reisten Ferenc Puskás, der legendäre Stürmer, und José Castro Ruibal, der als Allround-Talent fungierte – Arzt, Masseur, Ernährungsberater, alles in einem.
Die Realität vor Ort war jedoch weit entfernt von dem europäischen Fußball, dem sie gewohnt waren. „Ihr Fußball ist primitiv, aber sie haben das Geld, um ihn zu fördern. In acht oder zehn Jahren könnten sie ein gutes Niveau erreichen“, so Rial zu der Zeit. Die Hitze – bis zu 60 Grad Celsius – machte das Training unmöglich, außer während der kühleren Monate von November bis Februar.

Ein tragischer abschied und ein gescheitertes lichtkonzept
Die anfängliche Euphorie wich schnell der Ernüchterung. Als die Ehefrau von Rial schwer erkrankte, musste er nach Spanien zurückkehren, und Puskás, der sich nach seiner Familie sehnte, wurde durch den Tod seiner Mutter in Budapest zusätzlich belastet. Die saudische Regierung zögerte, ihn für die Beerdigung freizustellen, und so kam es zu einem Bruch im Vertrag. Die Enttäuschung war groß, die Geschichten über die Erlebnisse in Saudi-Arabien jedoch zahlreich.
Ein weiterer Stolperstein war die mangelnde Infrastruktur. Das Nationalstadion kostete zwar eine Million Euro und verfügte über einen Kunstrasen, aber es fehlte die Beleuchtung. Das führte zu einer absurden Situation während des „Tournament of Friendship“, als man versuchte, zwei riesige Lichtmasten aufzustellen – nur um festzustellen, dass das Land schlichtweg nicht über ein Kraftwerk verfügte, das die Lampen betreiben konnte. Riad lag im Dunkeln.

Das erbe: eine schule für trainer und ein unerwarteter aragoner
Trotz der Rückschläge gelang es Puskás und Rial, eine Schule für saudische Trainer zu gründen – ein Versuch, langfristig die Expertise im Land zu etablieren. Dabei stießen sie auf einen unerwarteten Mann: einen Aragonesen, der bereits in Österreich von den Saudis entdeckt worden war. Dieser frühe Versuch, den saudischen Fußball zu modernisieren, mag gescheitert sein, doch er legt den Grundstein für die heutigen Investitionen und die wachsende Bedeutung des Landes im globalen Fußballgeschehen.
Die aktuelle Welle saudischer Investitionen ist somit nicht nur eine Frage von Geld, sondern auch eine Fortsetzung einer Geschichte, die vor Jahrzehnten begann – eine Geschichtevoller Ambitionen, Tragödien und unerwarteter Wendungen.
