Mainz rast in europas riege: erstes viertelfinale, erste tränen

19. März 2026, 22:47 Uhr, Mewa Arena – der Rasen qualmt noch, da steht Stefan Posch schon mit hochrotem Kopf im Interview. „Wir haben Geschichte geschrieben, Mann!“ Der Kopfball, der den Ball ins Netz und Mainz 05 ins erste Europacup-Viertelfinale katapultierte, sitzt noch in den Gliedern. 2:0 gegen Sigma Olmütz, 2:0 nach 120 Jahren Vereinsgeschichte. Die Conference League ist jetzt kein Trostpflaster mehr, sondern ein Fiebertraum, der bis Leipzig reicht.

Von der abstiegszone in den k.o.-modus

Die Zahlen sind verrückt: 16. Tabellenplatz in der Bundesliga, Platz eins in den Herzen der Europapokal-Zuschauer. Während die Liga-Analyse Mainz auf 1,2 Tore pro Spiel runterrechnet, schlägt die Mannschaft von Urs Fischer in der Conference League zu – und wie. Paul Nebel flannte, Posch köpfte, 46. Minute, Arena explodiert. Der Österreicher hatte vorher 90 Minuten Einsatzzeit in dieser Saison, jetzt ist er Dauergäst im Clubmuseum.

Olmütz? Ab der 76. Minute zu zehnt, weil Peter Barath mit Gelb-Rot den Abend beendet. Die Tschechen hatten vorher nur eine echte Chance: Sturm nutzte eine Grätsche von Kohr aus, verzog aber um Zentimeter. Danach nur noch Mainz. Phillipp Mwene zirkelt einen Ball an den Außenpfosten (35.), Nelson Weiper köpft aus sieben Metern knapp drüber (45.). Nach dem Seitenwechsel ist der Gegner ein Schatten, Mainz dreht auf. Nebel schlägt die 78. Minute einen Freistoß an die Latte, Armindo Sieb staubt zum 2:0 ab. Fischer brüllt „Weiter!“, aber seine Stimme geht unter im Chor von 27.000, die „Hallo, wir sind Viertelfinale!“ skandieren.

Leipzig im mai – das große kino

Leipzig im mai – das große kino

Am 9. und 16. April geht’s im Viertelfinale weiter, Mainz hat Heimrecht im ersten Duell. Noch ist der Gegner unbekannt, doch das ist nebensächlich. Die Mannschaft hat sich selbst entzaubert: aus Umschaltteam wird Europakandidat. Die Loge der Arena ist voll mit Sponsoren, die vor drei Monaten noch über Klausel-Klauseln diskutierten – jetzt wollen alle Tickets für die Finalwoche. Die UEFA meldet Rekord-Zuschauerzahlen im deutschen Free-TV, die Mainzer Fan-Initiative „05 unites“ sammelt Geld für 2000 Auswärtstickets, bisherige Spende: 380.000 Euro in 14 Stunden.

Und der Abstiegskampf? Der ruht fürs erste. Am Samstag wartet Bochum, aber im Training am Freitag trainiert keiner mehr Taktik – nur noch Elfmeter, weil Fischer weiß: irgendwann wird es wieder darauf ankommen. Bis dahin gilt: Träumen erlaubt, Leipzig 28. Mai, 20:45 Uhr. Wer dann noch über Abstieg redet, hat das Spiel nicht verstanden.

Christian Schneider, TSV Pelkum Sportwelt