Am 13:30 uhr rollte der ball wieder: sarajewo feiert 2:1 gegen italien als sieg über den krieg

Kein Flutlicht, keine Tribünen­dekoration, nur ein Riss im Stadion­bild­schirm von Kugeln – und trotzdem war das Kosevo am 6. November 1996 voller Jubel. Die erste bosnische Heim­partie nach vier Kriegs­jahren endete mit einem 2:1-Sieg gegen Italien, und die 40 000 Zuschauer feierten, als wäre das Tor zum WM-Turnier selbst.

„Dieses spiel ist mehr als fußball“

Bruno Pizzul musste es kaum sagen, seine Stimme brach bei der Eröffnung der TV-Übertragung. Arrigo Sacchi hatte seine Stars trotz parallel laufender Coppa Italia nach Sarajewo mitgenommen – Maldini, Zola, Toldo, Chiesa –, um „Normalität zurückzubringen“. Die Azzurri verteilten vorher Stifte und Notizbücher im städtischen Kinder­krankenhaus, dann ging es um 13:30 Uhr los, weil es nach Einbruch der Dunkelheit keine Scheinwerfer gab.

Hasan Salihamidžić, 19, damals noch unbekannt, nutzte eine Unstimmigkeit zwischen Torhüter und Abwehr und schoss die Bosnier in Führung. Chiesa glich aus, doch Belić krönte mit dem 2:1 die Revanche für Jahre der Zerstörung. Die Hügel ringsum glichen Friedhöfen, doch für 90 Minuten schien der Krieg nur ein Gerücht.

Sacchis letztes länderspiel, bosniens erster heim­auftritt

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Was niemand ahnte: Es war Sacchis Abschied. Wenige Wochen später trat er zurück, die Amts­nachfolge übernahm Cesare Maldini. Für die Bosnier war es der Startschuss in eine neue Ära – 2014 dann der Einzug zur WM in Brasilien. Der Sieg gegen den Vize­weltmeister blieb Symbol: Sport als Gegen­entwurf zu Granaten und Scharfschützen.

Die Löwen von Sarajewo haben seither ihre Höhen und Tiefen erlebt, doch der 6. November 1996 steht unangefochten: Ein Nachmittag, an dem ein Fußball das ganze Land zum Lachen brachte.