Lennart karl stürmt ins dfb-top-10-team und lässt sané alt aussehen
Ein Wechsel, 27 Minuten, ein Seitenhieb gegen Leroy Sané – und schon ist Lennart Karl Teil der DFB-Saga. Gegen die Schweiz wurde der 18-Jährige in der 63. Minute eingewechselt, um den flachen Offensivbetrieb zu reaktivieren. Er erledigte die Aufgabe mit der Coolness eines Altstars und katapultierte sich damit auf Rang sieben der jüngsten Debütanten aller Zeiten.
Warum julian nagelsmann trotzdem noch nicht auf sané verzichtet
Die Zahlen sind gnadenlos: Sané kam auf eine kicker-Note von 4,5, Karl auf 2,5. Dennoch wird der Bayern-Flügelspieler vorert weiter Startelf-Privilegien genießen. Nagelsmann schwört auf Erfahrung, auch wenn diese gerade gegen die Schweiz keine Spuren hinterließ. Karl dagegen suchte sofort die Eins-gegen-Eins-Situation, spielte 14 erfolgreiche Dribblings, gewann fünf von sechs Zweikämpfen und initiierte den Siegtreffer durch Jamal Musiala. Der Bundestrainer lobte nach dem Abpfiff die „Reife“ des Youngsters, nannte aber keinen Zeitplan für einen möglichen Platz in der ersten Elf.
Die Konkurrenz im Angriff könnte bald historisch jung werden. Mit Musiala (20), Florian Wirtz (20) und eben Karl (18) stünden drei der zehn jüngsten DFB-Debütanten gleichzeitig auf dem Platz – ein Trio, das in keinem anderen Land derzeit existiert. Die Frage ist nur: Wer räumt für wen Platz?

Moukoko war einmal – wie kopenhagen den einstigen wunderknaben ausbremst
Während Karl frei aufspielt, kämpft Youssoufa Moukoko beim FC Kopenhagen um seine Karriere. Mit 17 Jahren und 361 Tagen DFB-Debüt, Rekordtorschütze der U19-Bundesliga, nun Leihspieler in Dänemark – und bislang ohne Treffer. Die Statistik lautet: zwölf Liga-Einsätze, eine Vorlage, 622 Minuten ohne Bulle. Bundestrainer Nagelsmann hat Moukoko wegen mangelnder Spielpraxis bereits aus dem vorläufigen WM-Kader gestrichen. Ein Comeback erscheint vor der Winterpause unrealistisch.
Ein Blick auf die ewige Rangliste zeigt, wie schnell der Ruhm verfliegt. Willy Baumgärtner war 17 Jahre und 104 Tage alt, als er 1908 debütierte – heute kennt ihn selbst im Deutschen Fußball-Museum kaum jemand. Karl muss also liefern, sonst droht die Vergessenheit trotz Teenager-Status.
Die nächsten Monate entscheiden über mehr als nur eine WM-Teilnahme. Sie zeigen, ob Deutschlands neuer Jungbrunnen nachhaltig sprudelt – oder ob er nur ein kurzes Sommerloch im ewigen Talentestrom bleibt.
