28-Jähriger ex-prob-coach rast in die euroleague: julius thomas übernimmt paris
Julius Thomas war vor drei Jahren noch ein Name für Liga-Insider, ein junger Coach, der mit der SG Rhöndorf gegen Itzehoe Eagles und Iserlohn Kangaroos taktikerte. Jetzt sitzt der 28-Jährige auf dem wohl heißesten Stuhz Europas – und macht ihn noch heißer. Paris Basketball beförderte seinen Assistenten am Montag zum Interims-Headcoach, damit rast Thomas mit Vollgas in die Geschichtsbücher der Euroleague.
Von der prob in die königsklasse – in rekordzeit
Die Zahl, die alle Sprachlos macht: 28 Jahre, 5 Monate, 14 Tage. Nur der Slowene Gasper Potocnik war 2008 mit 27 Jahren jünger, als er für Olimpija Ljubljana ein Spiel übernahm – ein Kurzeinsatz. Thomas bekommt die volle Verantwortung bis Saisonende, plus Option auf Verlängerung. „Er hat die DNA unseres Spiels mitgeschrieben“, zitiert Klubchef David Kahn den Hauptgesellschafter Eric Schwartz. Gemeint ist das turbo-hochtempo-System, das Ex-Coach Tuomas Iisalo installierte und Thomas mit Leben füllte, als der Finne Richtung Memphis Grizzlies abhob.
Die Fallhöhe ist gigantisch. Paris war in der Euroleague auf Platz 17 abgerutscht, nachdem T.J. Shorts zu Panathinaikos wechselte und Tiago Splitter die NBA-Rufe folgte. In der LNB steht das Team mit 16:7-Sieben und „nur“ Rang drei hinter AS Monaco und Nanterre 92. Die 85:95-Pleite am Sonntag gegen Bourg-en-Bresse war für Francesco Tabellini der letzte Nagel – prompt flog der Italiener, prompt kletterte Thomas auf den Thron.

Sein testlabor: ein play-off-kandidat und ein bologna-vulkan
Erster Praxistest am Freitag in Dijon, Tabellen-12. der LNB. Dann geht’s nach Bologna, in die Stunde Null der Euroleague: Virtus empfängt mit Karim Jallow und Carsen Edwards zwei ehemalige BBL-Stars, Thomas trägt dagegen nichts als seinen Block und ein iPad voller Zahlen. „Er schläft mit der Statistik“, sagt ein Bonn-Insider. „Und wacht mit neuen Ideen auf.“
Die Karriere des Wunderkinds liest sich wie ein Social-Media-Hype, nur ohne Filter. 2020 übernahm er Rhöndorf in der ProB, 2023 folgte er Iisalo nach Paris, lernte statt Bundesliga-Klubgeld französische Milliarden-Atmosphäre kennen. Hinter den Kulissen baute er Spielzüge, die selbst Profis erst nach drei Videos checken. Vor den Kulissen bekommt er jetzt 12.000 Fans in der Adidas Arena und 18 Kameras auf den Rücken.
Die Frage lautet nicht mehr, ob ein 28-Jähriger eine Euroleague-Mannschaft führen kann. Die Frage lautet: Wie viele Tage braucht er, um sie wieder in die Spur zu kriegen? Paris’ Restprogramm: fünf Liga-Spiele, vier Euroleague-Duelle. Verpasst die Hauptstadt die Play-offs, fliegt der neue Coach trotz Rekord raus. Schafft er die Wende, schreibt er das nächste Kapitel – und verdrängt Potocnik endgültig in die Fußnoten.
Die Uhr tickt. Thomas tickt schneller.
