Graz blutet tirol: gak liefert 21 jahre alte tororgie ab
Im Schneegestöber von Innsbruck trat der GAK nicht an, er explodierte. Fünf Mal zappelte der Ball beim haplessen WSG-Torwart im Netz, die Uhr hatte gerade mal 90 Minuten gestrichen. Jacob Italiano vollendete als erster Grazer seit Mario Bazina im April 2005 einen Dreierpack – und das ausgerechnet dort, wo der GAK zuletzt 2002 gewonnen hatte.
Ramiz harakaté schreibt seine eigene torschützenkönig-vorlage
Der 23-jährige Mittelfeldspieler traf zum fünften Mal in diesem Kalenderjahr. Kein anderer Bundesliga-Profi kam 2026 häufiger zum Jubel. Dazu legte er noch eine Vorlage auf, was ihn mit Tirols Nikolai Baden Frederiksen an der Spitze der Jahreswertung festnagelt. Fünf Treffer, ein Assist – das ist keine Form, das ist Statement.
Die Zahl 5:1 verstellt den Blick aufs Geschichtsbuch. Zuletzt fünf GAK-Tore in einem Spiel? 21 Jahre ist das her, 5:1 gegen Mattersburg. Wer damals im Stadion saß, erinnert sich an Bazinas Hattrick und an den Geruch von Zigarren im Block G. Heute riecht es nach Energy-Drink und Schneeregen – und nach Rückkehr in die europäische Konversation.

Ronivaldo, schöller und das ende der normalität
In Linz schlug Ronivaldo zu. Sein Tor gegen Ried war kein Lattenschock, es war das 3:2 nach Rückstand, das erste Comeback-Zwei-Tore-Rückstand-Sieg der BWLinz-Bundesligageschichte überhaupt. Der Brasilianer avancierte damit zum lebenden Fußnote-Generator: Er traf in allen drei Saisonduellen gegen Rapid, neun Saisontore – mehr als in seinen ersten drei Spielzeiten zusammen.
Währenddessen in Wien: Jakob Schöller traf nach 149 Sekunden. Das war nicht nur sein erstes Bundesliga-Tor, es war auch das schnellste Rapid-Tor seit Marco Grüll im März 2024. Dass danach noch drei weitere Treffer fallen würden, lag an Adams Moses Usor, der Rapid erneut den Stecker zog. LASK-Coach Klaus Rath bezeichnete das 4:2 als «K.o. in der 150. Sekunde», meinte aber auch: «Danach haben wir geboxt, nicht gespielt.»

Die runde der rekorde in harten zahlen
Der TSV Hartberg schickte eine Startelf mit 23 Jahren und einem Tag aufs Feld – neuer Klubrekord. Fabian Wildinger gewann alle sieben Zweikämpfe, eine Marke, die in dieser Runde nur zwei andere schafften. Rapid-Verteidiger Nenad Cvetkovic ballte 91 Mal das Leder, mehr als jeder andere. Und SVR-Keeper Andreas Leitner führte bei den Niederösterreichern mit 51 Ballaktionen an – ein Torhüter als Spielmacher, weil das Mittelfeld unter Beschuss stand.
Der GAK ist damit auf Platz vier vorgerückt, zwei Punkte hinter Sturm, drei vor Rapid. Die Meistergruppe beginnt zu duftieren. Und wer jetzt behauptet, die Bundesliga sei vorhersehbar, der schaute offensichtlich nicht in die Tiroler Nacht, in der ein Australier die Geschichte des Grazer AK neu schrieb – und die GAK-Fans plötzlich wieder von Europa träumen lassen.
