Genoa lässt alte trikots zu kunstwerken versteigern – das geld fließt in den kampf gegen alzheimer
Ein roter Faden aus Erinnerung zieht sich durch Mailand, Genua und Turin: Aus getragenen Matchshirts des FC Genoa werden morgen 15 Einzelstücke versteigert, die Marcello Pipitone aus Trikots der vergangenen drei Spielzeiten geschnitten, vernäht und neu erzählt hat. Los geht’s um 15 Uhr auf MatchwornShirt, Startpreis 250 Euro. Die Hälfte des Ertrags geht an Afma Genua, den Alzheimer-Verein der Stadt. Das Trikot ist längst mehr als Sportgerät – es ist Archiv.
Pipitone behandelt stoff wie ein gedächtnis
„Ich habe jedes Shirt zerschnitten, als wäre es ein Fragment“, sagt der Mailänder Künstler, der sonst für Stone Island und Moncler arbeitet. „Dann neu zusammengesetzt, sodass die Risse sichtbar bleiben. Das ist kein Recycling, das ist kulturelle Weitergabe.“ Das Ergebnis: Patchwork-Kimono-Overalls, Oversize-Westen mit Kapuze, Kapuzenpullis, deren Nähte die Konturen des alten Grifos nachzeichnen. Kappa lieferte Restposten, Pulsee Luce und Gas die Kreativenergie, Genoa lieferte die Legende.
Die Zahlen sind klein, aber laut: 15 Exemplare, 15 Familien, die Afma mit Therapie und Beratung begleitet. „Wir haben 1.200 Angehörige in der Datenbank“, sagt Vereinssprecherin Laura Ferrando. „Jedes weitere Trikot bedeutet zwölf Stunden Entlastung.“ Am Rande der Präsentation im Robe di Kappa Store in der Via Dante kaufte ein Sammler sofort zwei Teile für 1.000 Euro. Er will sie in seiner Galerie hängen. „Ich sammle Fußball-Relikte, aber das hier ist einmalig: Erinnerung, die man anziehen kann.“

Genoa nutzt nostalgie als kraftwerk
Flavio Ricciardella, Geschäftsführer des Klubs, spricht von „second-life-marketing“. Die Marke Genoa ist älter als das Auto, älter als das Telefon. 1893 gegründet, hat sie 131 Jahre Niederlagen und Triumphe gespeichert. Jetzt werden sie veräußert, um gegen Vergessen zu kämpfen. „Das passt“, sagt Ricciardella. „Unsere Fans vergessen nichts. Warum sollten wir die Trikots wegwerfen?“
Die Auktion läuft sieben Tage. Höchstes derzeitiges Gebot: 1.700 Euro für ein rotes Shirt, das Christian Kouakou im Derby gegen Sampdoria trug. Die Risse an der Seite sind echt, das Sponsorenlogo leicht verblichen. „Das ist kein Makel, das ist Biografie“, sagt Pipitone. Am Ende bleibt ein Satz, der auch dem FC Genoa auf die Kappe passt: „Wer erinnert, fällt nicht auseinander.“
