Vingegaard trägt zwei hosen und gewinnt trotzdem – ein meisterstück der kälte
Jonas Vingegaard fuhr in der vierten Etappe von Paris–Nizza nicht nur 41 Sekunden vor dem Rest des Feldes, sondern auch in zwei Hosen – und wurde zur Running Gag des Pelotons. Der Grund: Minusgrade, Dauerregen, kein Platz zum Umziehen. Also stopfte der Däne einfach eine zweite Trägerhose über das Renn-Trikot. Das Sitzpolster hatte er vorher mit der Schere entfernt, den Bund aufgeschlitzt. Ergebnis: kein Hosenbauch, dafür warme Oberschenkel und ein Etappensieg, der sich mehr nach Survival liest als nach Radrennen.
Die kleiderschichten, die niemand mehr zählte
Socken, Überschuhe, Neopren-Zehenkappen, Base-Layer, zwei Trikots, zwei Jacken (die zweite verkehrt herum für Windschutz vorne und Belüftung hinten), Weste, Armlinge, Winterhandschuhe, Halswärmer – und eben jene legendäre Hose Nummer zwei. Nass wie ein Schwamm, schwer wie ein Handtuch. „Ich habe nicht gefroren“, lachte Vingegaard im Ziel, „die Anderen schon.“ Die Blicke der Konkurrenten schwenkten zwischen seinem Überlauf-Look und der Uhr: 5:42 min Rückstand für Titelverteidiger Ayuso, der später stürzte und ausstieg.
Visma-Lease a Bike bestätigte, dass die Idee morgens in der Teambus-Küche entstand. Mechaniker schnitten, Soigneur flickte, Vingegaard zog an. „Wir wollten keine doppelte Polsterung, weil sich sonst die Sattelhöhe verändert“, sagte Rennleiter Grischa Niermann. Die Lösung: Polster raus, Bund offen, fertig. Ein Hack, wie es sonst nur im Wintertrainingslager auf Mallorca auftaucht, wenn Hobbyfahrer vergessen, ihre Regenhose mitzubringen.

Warum das outfit morgen schon standard sein könnte
Die Bilder gingen viral, noch bevor die Nachweltfrage „Wer trägt hier eigentlich Gelb?“ beantwortet war. Innerhalb von zwei Stunden verkaufte ein dänischer Onlinehändler 1.300 „Vingegaard-Double-Hosen“-Sets – bestehend aus alter Trägerhose und Teppichmesser. Auch Profis diskutieren laut. „Wenn es kalt ist, ziehe ich das nach“, sagte UAE-Kapitän Adam Yates, „aber nur, wenn ich keine Zeit zum Umziehen habe.“ Die UCI schweigt bislang, doch Techniker erwarten kein Regelverstoß: Solange die Startnummer sichtbar ist, darf der Fahrer layern, was er will.
Vingegaard selbst nimmt’s mit Humor. „Nennt mich Trendsetter“, sagte er und schob die nasse zweite Hose aus, direkt in die wartende Kiste mit dem Aufdruck „Zur Wäsche“. Dann packte er sich eine trockene. Die nächste Bergetappe steht vor der Tür. Schneeregen ist gemeldet. Die Hosen auch.
