Gattuso wirft scamacca raus – und setzt auf juve-flügel

Kein Platz für Gianluca Scamacca, nicht einmal auf der Bank. Gattuso hat den 25-jährigen Stürmer gestern um Mitternacht aus dem endgültigen Kader für das Testspiel in Zenica gestrichen – und dafür den Juventus-Außenbahnspieler Andrea Cambiaso mitgenommen. Die Botschaft: Offensive geht vor Defensive.

Die traurige geschichte des angreifers

Scamacca hatte sich bereits vor dem Lehrgang eine Oberschenkelzerrung zugezogen, humpelte trotzdem nach Torino, absolvierte Einheiten mit der Physiostaff – und musste dann doch passen. Er bleibt im Hotel, wird heute Abend in der VIP-Loge sitzen und per Handy mitjubeln. Ein Trostpflaster: Sein Verein Atalanta spart sich die Reisekosten.

Die gleiche Leere erwischt Giorgio Scalvini, der gegen Nordirland noch in der Startelf stand. Stattdessen rutscht Cambiaso in den 23er-Kader, kann links wie rechts spielen und liefert Gattuso die Option, im 3-4-2-1 jederzeit auf reine Flügelstürmer umzustellen. Politano und Dimarco sind gesetzt, Palestra und Spinazzola warten auf ihren Einsatz – doch Cambiaso ist der Joker, der beide Seiten bedienen kann.

Die großen verlierer des abends

Die großen verlierer des abends

Weiter außen vor: Elia Caprile, Nicolò Cambiaghi und Gianluca Coppola. Sie dürfen die Tore in Zenica nur aus der Ferne bestaunen. Dafür sitzen Buongiorno und Gatti als Innenverteidiger bereit – eine klare Ansage, dass Gattuso die Räume erst einmal vorne öffnen will, bevor er hinten dicht macht.

Die Italiener reisen mit dem Selbstverständnis des Angreifers an: drei reine Stürmer im Kader, dafür nur fünf defensiv orientierte Feldspieler. Die Bilanz der letzten fünf Testspiele: vier Siege, ein Remis, nur zwei Gegentore. Die Statistik spricht für sich – und trotzdem wird heute Abend in der glatten Bosnien-Nacht wieder neu geschrieben.

Die Partie ist mehr als ein Freundschaftsspiel. Sie ist Gattusos erste echte Bewährungsprobe seit der Entlassung bei Valencia. Wenn seine Offensive funkt, kann er den Ruf des Taktik-Fex wiedererlangen. Wenn nicht, wird die Presse über seinen „Joker“ Cambiaso reden – und darüber, dass Scamacca am Ende vielleicht doch der fehlende Knipser war.