Garcia übernimmt leverkusen: elfen holen dauerbrenner für drei jahre
Franziska Garcia spielt nicht mehr, sie lenkt. Die Handball-Elfen des TSV Bayer 04 Leverkusen setzen ab Sommer auf die 36-Jährige, die Vertrag bis 2027 unterschrieb – ohne Klausel, ohne Ausstieg, einfach mit dem Auftrag, aus Talenten Profis zu schustern.
Garcia beerbt gruner und damit eine interims-lösung
Sie übernimmt von Sybille „Bobby“ Gruner, die nach Michael Biegler im Oktober einsprang und nun zurück in den Staff rutscht. Gruner bleibt, aber Garcia bestimmt den Klang. Der Deal stand längst, wurde aber erst jetzt offiziell, weil der Verein intern klare Strukturen vorlegen wollte.
Das Timing ist kein Zufall. Die 2. Liga wird enger, Leverkusen will aufsteigen – und Garcia kennt beide Seiten. Als Spielerin lief sie 98 Mal für den THC, wurde 2012 mit Rot-Weiss zur Bundesliga-Meisterin. Als Coach führte sie die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund in die Regionalliga, betreute NLB-Teams und sammelte an der B-Lizenz-Front mehr Praxisstunden als fast jede ihrer Kolleginnen.
Susanne Ohlendorf, Abteilungsleiterin, formuliert es nüchtern: „Sie kennt unseren DNA-Faden.“ Dahinter steckt ein Satz, der in Leverkusen Gewicht hat: Der Club will nicht kaufen, er will bilden. Garcia passt ins Raster, weil sie keine Halbwertzeit-Coachin ist, sondern Lehrmeisterin.

Kein lippenbekenntnis: langfristigkeit als programm
Drei Jahre sind im Frauenhandball eine Ewigkeit. Verträge enden meist nach zwölf Monaten, oft mit Option. Garcia bekommt Planungssicherheit – und gibt sie zurück. „Ich bin diesen Weg selbst gegangen“, sagt sie, „ich weiß, wo die Schuhe drücken.“ Gemeint sind die Tage, an denen Nachwuchsspielerinnen zwischen Schule, Training und Erwartung taumeln. Garcia will die Bremse, nicht das Gas.
Leverkusen besitzt mit der LINA-Akademie ein Internat, das Talente aus ganz Deutschland anzieht. Die Nachwuchscampus-Zahlen sind leidlich, aber nicht spektakulär: Aktuell sieben A-Nationalspielerinnen, drei davon kommen aus dem eigenen Stall. Garcia soll die Quote erhöhen – ohne Millionen-Budget, dafür mit Videoanalyse, Athletik-Coaching und einem Netzwerk, das sie über Jahre aufbaute.
Der Blick geht Richtung 2028. Dann will der TSV wieder in der ersten Liga spielen, und wenn es klappt, soll Garcia immer noch an der Linie stehen. Ein Szenario, das in der Liga spätestens seit gestern für Gespräche sorgt: Denn kaum ein Club verpflichtet derzeit Trainerinnen für mehr als zwölf Monate. Leverkusen tut es – und setzt damit ein Zeichen, das lauter ist als jede Pressekonferenz.
