García plaza jagt den turnaround: neun spieltage bis zur rettung

Luis García Plaza hat am Mittwoch seine erste Trainingseinheit mit dem Sevilla absolviert – und damit den Countdown gestartet. Neun Ligaspiele bleiben, um ein Schiff zu retten, das nur drei Punkte über dem Abstiegsklippen hängt. Seine Premiere als blanquirrojo steigt nächste Woche im Estadio Carlos Tartiere gegen Oviedo.

Kein warm-up, sofort vollgas

Keine Zeit für Floskeln. Nach der Vorstellung im Kabinengang ging es direkt auf den Rasen. García Plaza stellte Druckübungen vor, presste die Gruppen enger, forderte Tempowechsel innerhalb von drei Ballberührungen. Die Spieler spürten: Der neue Coach interpretiert „Rettung“ als Sprint, nicht als Marathon.

Das Dilemma ist kalkuliert. Die Defensive kassierte in 27 Partien bereits 42 Gegentore, die Offensive schaffte nur 25 Treffer – beides abstiegsreif. García Plaza setzte deshalb sofort an den neuralgischen Punkten an: Umstellung von 4-4-2 auf ein kompaktes 4-2-3-1, Doppelsechs mit Ballfreigabe-Befehl und Flügelstürmern, die sofort zurückfallen, sobald der Ball verloren geht.

Die Spieler, die noch vor einer Woche unter Matías Almeyda trainierten, tauschten Blicke: Jetzt wird gearbeitet, bis die Beine brennen. Der Coach kennt diese Lage. In Getafe und Almería führte er Klubs mit ähnlichem Punktepolster aus dem Tal – jeweils mit der Devise: Erst stabilisieren, dann zählbar angreifen.

Kalender liefert keine gnade

Kalender liefert keine gnade

Fünf Auswärtspartien, zwei davon gegen direkte Konkurrenten Oviedo und Levante, warten auf den 48-Jährigen. Daheim empfängt Sevilla Barcelona und Real Sociedad – kein einfaches Programm. Doch García Plaza akzeptiert die Zahlen. „Wir brauchen zwölf Punkte und eine Tordifferenz im Plus“, sagte er nach der Einheit knapp. Mehr muss man in dieser Phase nicht rechnen.

Die sportliche Leitung sicherte ihm Planungssicherheit bis 2027 zu. Ein Zeichen: Der Verein glaubt an eine Trendwende, nicht nur an einen Notpflaster-Job. Die Fans sind geteilt. Einige feiern die Rückkehr zu einem Trainer, der schon zweimal Abstiegskandidaten rettete. Andere zweifeln: Passt sein pragmatischer Stil zum eigenen Anspruch, Europapokal statt Abstiegskampf?

Die Antwort kommt schon am Sonntag, wenn Sevilla im Stadion aufläuft, das 23 000 Oviedistas in Wallung bringt. García Plaza wird an der Seitenlinie stehen, Kappenschlag und Stoppuhr in der Hand. Jede Minute zählt. Ein Sieg dort würde nicht nur drei Punkte bedeuten – er würde der Mannschaft beweisen, dass die neue Ordnung funktioniert. Verliert Sevilla, rückt der Abgrund näher, und der Druck explodiert.

Der Countdown läuft. Neun Spieltage, zwölf geforderte Punkte, ein Trainer, der schon zweimal die Kurve kratzte. Für García Plaza ist das kein Testspiel, sondern eine Vollzeitstelle mit Schichtdienst bis Mitternacht. Die Uhr tickt – und Sevilla hat keine Pause-Taste mehr.