Doppel-rücktritt nach dem finale: schweizer skicross verliert seine laufbahn-champions
Sie haben sich
in die Luft geschmettert, um Zehntelsekunden herauszuholen, und wissen jetzt, wann Schluss ist. Nach dem Weltcupfinale in Skicross verabschieden sich Romain Détraz und Jonas Lehnherr gleichzeitig – zwei Karrieren, die wie Leuchtfeuer über der Piste standen, enden mit einem kontrollierten Ausstieg, bevor der Körper die Entscheidung übernimmt.Der rücken schreibt das ende vor
Détraz, 32 Jahre alt, vier Podestplätze, ein Sieg in Arosa 2016, blickt auf einen Kreuzbandriss, mehrere Meniskusoperationen und chronische Rückenschmerzen. „Ich will meinen Körper nicht bis ans Limit pushen“, sagt er knapp, und man hört das Knirschen von zwölf Wintern, die er mit Schmerzmitteln und Nachteis begonnen hat. Der Waadtländer hat die Rechnung aufgemacht: ein weiteres Jahr voller Flugreisen, Startnummern und Crashs würde die Quittung in Form von Bandscheibenvorfällen bringen. Also stoppt er, bevor die Piste ihn stoppt.
Lehnherr, zwölf Podestplätze, fünf Siege, 125 Weltcupstarts, kam erst im November zurück, nachdem er sich im Training das Schienbein gespalten hatte. Die Ärzte sagten: sechs Monate. Er machte es in vier. Doch in der ersten Kurve nach der Genesung spürte er, dass die Angst nicht mehr weicht. „Ich bin nicht mehr bereit, so viel Risiko einzugehen“, gibt er zu, und das klingt, als würde er sich selbst beim Wort nehmen. Die Skicross-Piste verlangt, dass man beim Start die Zweifel ablegt. Wer zögert, fliegt.

Ein finale, das zwei freunde auslöscht
Im Finallauf von den USA bis nach Schweiz-Pfäffikon werden sie nebeneinander stehen, zum letzten Mal in den Startgattern. Détraz wird die Hand von Lehnherr drücken, ohne viele Worte. Sie kennen sich seit Juniorenzeiten, haben gemeinsam Holz gestapelt, um in den Sommern auf Rollski die Kurven zu ziehen. Nun teilen sie das gleiche Datum für das Karriereende, nicht aus Abmachung, sondern aus Erschöpfung.
Die Schweizer Skicross-Nationalmannschaft verliert damit innerhalb eines Tages 237 Weltcupstarts, 16 Podestplätze und zwei Charaktere, die jungen Fahrern beigebracht haben, wie man sich nach einem Sturz wieder aufrichtet. Nach ihnen bleibt ein Loch, das nicht einfach durch neue Gesichter gefüllt wird. Die nächste Generation muss nicht nur schneller fahren, sondern auch lernen, wann man aufhört – eine Lektion, die Détraz und Lehnherr gerade mit letzter Konsequenz vorgeben.
