Freitag schreibt geschichte: 227 meter, platz 10
Selina Freitag jagt sich selbst. 216 Meter im ersten Durchgang, 227,5 im zweiten – beides deutscher Rekord, beides nur Platz zehn. Der Skiflug-Weltcup in Vikersund liefert das nächste Paradox: Je weiter die Deutsche fliegt, desto größer wird die Kluft zum Podest.
Kvandal dominiert, prevc folgt
Eirin Maria Kvandal beendet den Tag, wie sie ihn begonnen hat: auf 231,5 Metern und dem obersten Treppchen. Die Norwegerin spielt vor heimischem Publikum weiterhin in einer eigenen Liga. Nika Prevc springt auf 220,5 Meter und wird Zweite. Dahinter: Anna Odine Stroem mit 215 Metern. Die Skandinavierinnen setzen sich ab – und die deutsche Mannschaft muss sich mit moralischen Siegen begnügen.
Juliane Seyfarth landet hinter Freitag auf Rang elf, ihre Bestweite von 207,5 Metern bleibt ebenso statistische Fußnote wie Freitags 227,5 – das Finale wurde abgebrochen, Wind ließ die Schanzenjury keine Wahl.

Schmid knackt die 200er-marke nach 1 460 tagen
Katharina Schmid wartete vier Jahre auf diesen Moment. 204 Meter – erster Flug über die magische Grenze. Die Rekord-Weltmeisterin schreit ihre Erleichterung in den kalten norwegischen Himmel, umarmt Anna Hollandt, die ihre letzte Profi-Landung hinter sich gebracht hat. Schmid selbst reicht die Leistung nicht für Platz 15, sie fehlen 1,6 Punkte. Dennoch: Der Bann ist gebrochen, das Ziel erreicht.
Agnes Reisch, am Vortag noch beste Deutsche, verpasst als 16. mit 195 Metern den zweiten Durchgang um 0,6 Punkte. Die deutsche Mannschaft sammelt Rekorde, aber keine Kristallkugel-Punkte – ein Spiegelbild einer Saison, in der Weiten wachsen, Konstanz aber rar bleibt.
Planica ruft. In einer Woche endet der Weltcup im slowenischen Skiflug-Mekka. Für Freitag, Seyfarth und Schmid bleibt eine letzte Chance, aus Rekordjubel wieder Sprungkraft für Podestplätze zu machen. Die Weiten sind da, die Wertung fehlt noch.
