Freiburg schlägt st. pauli: schusters mut belohnt, irié zurück

Der SC Freiburg verabschiedet sich mit zwei Siegen in die Länderspielpause – und beweist dabei, dass Julian Schuster auch in der Zwickmühe die richtige Antwort parat hat.

0:1 in Hamburg, schwere Beine vom 5:1 gegen Genk, erste Saisonniederlage nach Ecke Nummer neun – da hätte ein Coach umschwenken können. Schuster blieb stur, stellte dieselbe Elf auf, die drei Tage zuvor Europa League Geschichte geschrieben hatte. «Der Plan ging auf», sagte er nach dem 2:1, und klang dabei so ruhig, als hätte er nie gezweifelt.

Die wechsel waren kein zufall, sondern ein kalkül

Nach der Pause kamen Philipp Lienhart und Cyriaque Irié, zwei Akteure, die für Frische stehen sollten. Lienhart hatte gegen Genk nur Kurzeinsatzzeit, Irié saß 90 Minuten lang draußen. «Wir wollten mit frischen Kräften reagieren», sagt Schuster – und meinte damit nicht die, die am Donnerstag durchspielten. Die Entscheidung war ein Statement: Leistung zählt, nicht der Name auf der Karte.

Das Ergebnis war ein Auswärtssieg, der längst überfällig war. Igor Matanovic erzielte beide Tore, das erste nach abgefälschtem Schuss von Grifo, das zweite aus dem Stand. «Er steht da, wo ein Stürmer stehen muss», sagte der Italiener über seinen Kollegen – und klang dabei wie ein Lehrer, der weiß, dass der Schüler endlich zuhört.

Irié ist angekommen – und das meint mehr als fußball

Irié ist angekommen – und das meint mehr als fußball

Die Freude über Iriés Auftritt war ein kollektives Phänomen. Der 20-Jährige hatte in der Hinrunde mit Malaria zu kämpfen, verlor Kilos, Kraft, Selbstvertrauen. «Jetzt spricht er Deutsch, zeigt Humor», berichtet Eggestein. Kleine Momente im Training, die mehr aussagen als jede Statistik. Irié schaltet sich in Duelle, öffnet Räume, macht das Spiel schneller. «Er tut uns gut», sagt Eggestein – und das klingt nicht nach Standardphrase, sondern nach echter Erleichterung.

Maximilian Eggestein selbst spielte 90 Minuten mit «schweren Beinen», wie er sagt. Der Kraftakt war nötig, weil Freiburg in der Liga seit Januar nicht mehr außerhalb des Breisgaus gewonnen hatte. Das Statistikloch ist jetzt gestopft, der April mit drei Englischen Wochen wird zur Zerreißprobe. Sechs Profis reisen zu ihren Nationalteams, der Rest soll atmen – und vielleicht auch einmal die Kritik ausblenden, die trotz Platz acht, Viertelfinale und Pokal-Halbfinale immer noch laut wird.

Julian Schuster hat dafür eine einfache Antwort: «Da darf sich der eine oder andere hinterfragen.» Damit ist nicht das Team gemeint.