Freiburg jagt den nächsten befreiungsschlag am millerntor

Der SC Freiburg hat drei Tage, um vom Europa-League-Rausch auf den Abstiegskampf umschalten. Sonntag 17.30 Uhr, Millerntor: Dort wartet St. Pauli – und mit ihm die Chance, eine Statistik zu beerdigen, die seit Weihnachten nagt.

Die auswärtsmisere in zahlen: ein sieg, sieben nuller

Seit dem 4:3 in Wolfsburg hat Freiburg in fremden Stadien nur noch einen Zähler geholt – 2:2 in Augsburg. Drei Pleiten folgten, allesamt ohne Tor. Elf Auswärtstore in 13 Spielen, das reicht nicht mal für die untere Tabellenhälfte. Die Lösung? „Wucht und Elan“, sagt Igor Matanovic, der Sohn der Hansestadt, der vor 13 Jahren als Jugendlicher beim FC St. Pauli anfing und nun als Schütze zurückkehrt.

Trainer Julian Schuster redet sich nicht raus. Er weiß, dass seine Elf nach dem 5:1 gegen Genk körperlich unter Strom steht. „Wer jetzt keine Blessuren hat, war wohl nicht dabei“, sagt er trocken. Doch genau das ist der Kern seiner Philosophie: Wer Geschichte schreiben will, muss bereit sein, ein paar blaue Flecken zu akzeptieren.

Grifo jagt nächsten rekord, eggestein den nächsten rhythmus

Grifo jagt nächsten rekord, eggestein den nächsten rhythmus

Vincenzo Grifo trifft seit 15 Jahren für Freiburg, am Donnerstag wurde er Rekordtorschütze. Nun steht Spiel Nummer 300 in der Bundesliga an. Seine Quote: sieben Treffer, davon vier direkte Freistoßtore. Gegen St. Pauli wird er erneut die Ecke schmeißen, aus der heraus Freiburg diese Saison bereits fünfmal zuvor netzte.

Maximilian Eggestein liefert das Mittelfeld-Tempo. Gegen Genk schoss er das 5:1, nachdem er in der ersten Halbzeit noch die Innenseite statt des Spanns gewählt hatte. „So ein Tor tut der Seele gut, aber der Kopf ist schon beim nächsten Gegner“, sagt er. Die Botschaft: Keine Zeit für Nostalgie, nur für Nachschlag.

Millerntor wird zum mentalitätstest

Millerntor wird zum mentalitätstest

St. Pauli steht auf Relegationsplatz 16, hat aber erst zwei Heimpleiten kassiert. Das Stadion an der Feldstraße gilt als Akustikwunder, 29.000 Stimmen verwandeln sich in eine Wand. Matanovic kennt den Klang: „Wenn du da als Gegner einwirfst, pfeifen sie dir nicht – sie singen dich tot.“

Freiburg muss deshalb früh reagieren. Die Länderspielpause danach wirkt wie ein Licht am Ende des Tunnels, aber zuerst gilt es, den Schalter umzulegen. Schuster: „Wir haben gezeigt, dass wir in zwei Tagen Fußball vom Feinsten produzieren können. Jetzt müssen wir beweisen, dass wir auch den Dreck wegputzen.“

Die Zahlage: Gewinnt Freiburg, rückt es auf Platz fünf vorbei. Verliert es, bleibt die Auswärtskrise ein offener Schuldenschein. 90 Minuten entscheiden, ob die Europa-League-Euphorie nur ein Schönwetter-Feuer war – oder der Startschuss für den nächsten Höhenflug.