Bvb verlängert mit can trotz kreuzbandriss – ricken: „er ist unser leader“

Borussia Dortmund handelt schnell und konsequent: Emre Can bleibt, obwohl sein Sommer-Ablaufdatum durch den Kreuzbandriss praktisch Makulatur war. Die Vertragsverlängerung um ein Jahr ist keine Geste der Nächstenliebe, sondern eine klare Kampfansage an alle, die den 31-Jährigen schon abgeschrieben hatten.

Ricken setzt auf führungskraft statt fitnesszertifikat

„Wir haben nicht gewartet, bis die MRT-Bilder grün leuchten“, sagt Geschäftsführer Lars Ricken. Stattdessen verlängerte der BVB binnen Tagen nach der Diagnose – eine Entscheidung, die im deutschen Profifußball selten ist. „Emre ist unser Kapitän und ein absoluter Vorzeigeprofi. Er geht voran, stellt sich in den Dienst der Mannschaft.“ Die Botschaft: Charakter zählt mehr als Medizinberichte.

Can selbst sitzt noch im Reha-Zentrum in München, doch sein Statement wirkt, als stehe er bereits wieder im Mittelkreis. „Der BVB ist ein besonderer Verein. Ich möchte mich für das Vertrauen bedanken und so schnell wie möglich zurück auf den Platz.“ Kein Wort über Gehalt, keine Klagen über die Zwangspause – nur der Anspruch, „mit dem Verein erfolgreich zu sein“.

Warum der bvb jetzt zahlt statt spart

Warum der bvb jetzt zahlt statt spart

Der Verein bindet eine Führungsfigur, ohne die Kabine droht ein Vakuum. Jude Bellingham ist weg, Mats Hummels steht vor der Fragezeichen-Saison, Marco Reus ist längst Geschichte. Can war in 23 Pflichtspielen dieser Saison so etwas wie der mobile Kommandostand – 1,9 Tacklings, 85 Prozent Passquote, 14 Ballgewinne im gegnerischen Drittel. Zahlen, die sein Einkommen rechtfertigen, auch wenn er sieben Monate ausfällt.

Die Kosten bleiben überschaubar: Die neue Klausel enthält angeblich Leistungsprämien statt hoher Festgehälter. Ein Modell, das der BVB bei Sebastian Kehl und Łukasz Piszczek schon erfolgreich testete – Verlängerungen trotz Verletzungsrisiko, die sich am Ende als PR-Coup und sportliche Stabilität erwiesen.

Die stoppuhr tickt trotzdem

Die stoppuhr tickt trotzdem

Can muss bis Januar 2025 wieder fit sein, sonst droht der nächste Stresstest. Dann beginnt die Rückrunde, der BVB spielt um die Champions-League-Plätze und möglicherweise um den ersten Titel seit 2017. „Ich will mit meinen Mitspielern wieder auf dem Platz stehen“, sagt Can – und meint damit nicht nur das Lauftraining, sondern die Phase, in der Dortmund wieder angreifen will.

Bis dahin wird er jeden Tag ein Beweisstück für die These sein, dass moderne Führung nicht mehr nur aus 90 Minuten besteht. Die Leine liegt beim Verein, der Stab steckt im Boden der Reha-Matte. Und Can? Der sitzt schon wieder am Laptop, analysiert Gegner, schickt Sprachnachrichten an die Jungs. Kapitän eben – auch auf Krücken.