Franziska preuß packt aus: „die beste mail kam danach“

Die Olympiabronze in Antholz war nur ein Teil ihrer letzten Show. Seit dem 21. Februar ist Franziska Preuß offiziell raus aus dem Dauercamp des Weltcups – und das erste, was sie tut, ist eine ganz normale E-Mail schreiben: Abmeldung beim Anti-Doping-Portal. „Das war die schönste Mail meines Lebens“, sagt sie im Interview mit „Blickpunkt Sport“. Endlich keine Ortungs-App mehr, endlich keine Nachtruhe, die per Mausklick kontrolliert wird.

Psychoterror statt medaillenglück

Die 31-Jährige redet nicht drum herum. Olympische Spiele waren für sie nie ein Freundeskreis. Antholz war nur die letzte Episode eines Dramas, das sich seit Sotschk 2014 zieht. „Ich habe ziemlich einstecken müssen“, sagt sie. Kommentare, Erwartungen, Fragen nach dem nächsten Fehler – ein Dauerfeuer, das selbst ihre coolste Fassade bröckeln ließ. Die Folge: Bronzemedaille in der Mixed-Staffel, aber keine Einzelmedaille. „Das war mir keine Medaille mehr wert“, sagt sie knapp.

Der Gesamtweltcup-Sieg 2025 war deshalb keine Revanche, sondern ein Kraftakt. Drei Wochen lang durfte sie keinen einzigen Schritt falsch machen. „Mental war das ein Dauerzustand aus Stahl“, erinnert sie sich. Die Rechnung kam postwendend: Dieser Winter fühlte sich leer an, die Beine schwer, das Ziel fehlte. „Ich habe den Umgang mit der Erwartung nicht mehr gefunden“, gesteht sie.

Dsv-team steht am scheideweg

Dsv-team steht am scheideweg

Preuß sieht das deutsche Biathlon, wie es ist: hinterher, aber nicht hoffnungslos. „Wenn man die Listen studiert, fehlt einfach eine Schippe“, sagt sie. Trotzdem nennt sie zwei Namen, die sie nicht nur als Papierexpertin auf dem Schirm hat: Selina Grotian und Julia Tannheimer. „Die haben das Zeug, aber sie müssen lernen, dass Talent allein keine Medaille trägt.“

Sie selbst will künftig von außen helfen, ohne schon wieder in alte Rollen zu schlüpfen. „Ich bin nicht die neue Bundestrainerin, ich bin einfach nur Franziska – mit neuer Freiheit und ohne Ortungs-App.“

Die Bilanz: zwölf Jahre Weltcup, zwei WM-Titel, ein Gesamtweltcup, eine Olympiabronze – und eine Mail, die alles beendet. „Das reicht“, sagt sie. Und meint: mehr als genug.