Frankreichs frauen schreiben biathlon-geschichte – der italiener dahinter

13 Medaillen aus einer einzigen Olympiade – so etwas hat noch kein Biathlonland geschafft. Frankreich schaffte es in Anterselva, und das Geheimnis trägt einen italienischen Namen: Patrick Favre.

Die zahlen lügen nicht: 7 medaillen holten die bleus-femmes

Julia Simon, Anaïs Chevalier-Bouchet, Justine Braisaz-Bouchet und Dorin Habert liefen und schossen sich in Rekordzeit in die Geschichtsbücher. Drei Gold, drei Silber, eine Bronze – plus Staffelgold im Mix. Dahinter steht ein Trainingsplan, der sich radikal vom italienischen Modell unterscheidet.

Francesco Albanesi, einst Assistenztrainer der Azzurri, kennt beide Systeme. „In Frankreich wird weiblicher Leistungssport von der Grundschule bis zur Nationalmannschaft durchdekliniert“, sagt er. „Bei uns ist Frauen-Biathlon noch immer ein Add-on.“

Der unterschied beginnt schon auf der schießanlage

Italien setzt auf Volumen: 120 Schuss Training pro Tag, Herz-frequency-Kontrolle, aber nur einmal pro Woche Wettkampfsimulation. Frankreich trainiert nur 80 Schuss – dafür unter Streß: Läuferinnen müssen nach jedem Fehler sofort fünf Liegestütze, dann sofort wieder ans Gewehr. „Das schafft Muskelgedächtnis für Erschöpfung“, erklärt Albanesi.

Die Konsequenz: Simon traf in Anterselva 93 % im Stehendanschlag, die beste Italienerin erreichte 83 %. Der Unterschied zwischen Gold und Platz neun.

Transalpiner doping-angst? fehlanzeige

Keine Sondergenehmigungen, kein medizinisches Geheimrezept. Stattdessen Budget: 4,2 Millionen Euro allein für die Frauen-Abteilung, finanziert vom Sportministerium und Privatequity der Bank BNP. Italien: 700.000 Euro, bundesweit, für Männer und Frauen.

Albanesi lacht bitter: „Wenn unsere Athletinnen wollen, müssen sie sich selbst Luftgewehre kaufen. Die Französinnen bekommen einen Waffen-Ingenieur ins Hotel mitgeschickt.“

Der nächste WM-Zyklus beginnt 2027 in Oberhof. Das deutsche Organisationskomitee plant bereits, Frankreichs Frauen ins Zentrum der Show zu stellen – als Benchmark, nicht als Gastgeber. Italiens Trainerstab dagegen diskutiert intern, ob man das französische Modell kopieren oder doch wieder auf Massentraining setzen soll.

Die Antwort liefert schon jetzt die Tabelle: Wer die meisten Medaillen will, muss vor allem die halbierte Bevölkerung mobilisieren – und dafür zahlen. Die Rechnung ist simpel, nur die Kasse fehlt.