Fabregas zerreißt die liga: como schlägt cagliari und träumt von der champions league

Cesc Fabregas ballt die Faust, und die Kurve des Giuseppe-Sinigaglia-Stadions explodiert. Mit einem 2:0 gegen Cagliari hat Como am 28. Spieltag nicht nur drei Punkte eingesackt, sondern auch die nächste Lüge über sich selbst entlarvt: Diese Mannschaft ist kein Aufsteiger, sie ist ein Brett.

Der plan funktionierte perfekt – und war fast zu perfekt

Während andere Teams auf Ballbesitz und hohe Linie setzen, ließ Fabregas seine Larios absichtlich tief stehen, lockte Cagliari ins offene Messer und schlug in deren Spiel hinein. „Wir haben die Partie auf deren Art vorbereitet, nicht auf unsere“, sagt er nach Abpfiff mit einem Grinsen, das zwischen Genugtuung und Provokation schwankt. Die Gäste hatten das Gras hoch stehen lassen, um Konter zu provozieren – und liefen genau in die Falle. Das Ergebnis: 62 Prozent Zweikampfgewinn und ein Keeper, der plötzlich wie ein Weltmeister wirkt.

Der Mann des Tages heißt Butez. Der 28-jährige Belgier wehrte jeden zweiten Schuss ab, leitete den ersten Treffer mit einem 60-Meter-Abschlag ein und wurde nach Spielende von Fabregas zum Nationalteam hochstilisiert: „Er arbeitet wie ein Tier, hat den besten Torwarttrainer Spaniens an seiner Seite und ist längst bereit für die Rote Teufel.“ Die Ablöse für den Ex-Amiens-Profi: 800.000 Euro. Die Botschaft: Sparen kann jeder, verstehen muss man das Spiel.

15 Partien in 63 tagen – und kein ende in sicht

15 Partien in 63 tagen – und kein ende in sicht

Die Zahlen sind der wahre Gegner. Seit Jahresbeginn absolvierte Como bereits 15 Pflichtspiele, mehr als jeder andere Serie-A-Klub. Immer dienstags oder samstags, immer mit Wechseln auf Biegen und Brechen. Dass trotzdem kein Kollaps folgte, verdankt sich laut Fabregas einer Mischung aus Jugend und Starrsinn. „Wir haben keine Galácticos, wir haben Charaktere“, sagt er und zählt auf: Valle, 22, kam für 300.000 Euro, Diego Carlos war ablösefrei, Butez ein Schnäppchen. Die Rede ist von einem Kader, dessen Marktwert noch nicht einmal die Hälfte des Cagliari-Aufgebotes erreicht.

Dabei spielt Como längst nicht mehr nur gegen den Abstieg. Nach dem Sieg steht die Mannschaft bei 48 Punkten und hat Europa im Blick. Auf die direkte Frage nach der Champions League antwortet Fabregas mit einem Schulterzucken: „Die Statistik sagt, wir sind noch nicht drin. Die Tabelle sagt, wir sind auf dem Weg.“ Es klingt wie eine Drohung an die Konkurrenz.

Pisacane, gras, gerüchte – und ein händedruck

Pisacane, gras, gerüchte – und ein händedruck

Zwischen den Zeilen sickert auch die Geschichte des Gegners durch. Fabio Pisacane, Cagliaris Co-Trainer und ehemaliger Como-Spieler, soll sich angeblich mit Fabregas an der Seitenlinie gestritten haben. Quatsch, sagt der Spanier: „Wir haben uns ausgetauscht, nicht angebrüllt. Fabio ist ein Freund, wir sind beide jung, lernen voneinander.“ Der Moment, in dem beide sich die Hand geben, ist länger als nötig – ein stiller Pakt zwischen zwei Coaches, die wissen, dass sie bald wieder gegeneinander stehen werden.

Como hat inzwischen mehr Siege gegen die traditionellen Top-6-Teams (Napoli, Inter, Juve, Fiorentina) eingefahren als der ganze Rest des Tableaus zusammen. Die Defensive kassierte in den letzten acht Spielen nur vier Gegentore – obwohl das Spielsystem offensiv gilt. Ironie des Fußballs: Wer als Offensivteam startet, wird am Ende für seine Abwehr gelobt.

Am Dienstag gastiert Como bei Atalanta, dann folgt Lazio, dann Milan. Fabregas lacht über den Kalender: „Wir haben keine Zeit, müde zu sein.“ Seine Spieler haben inzwischen gelernt, dass Mentalität keine Frage von Talent ist, sondern von Terminen. Und die nächste Lüge? Die wartet bereits im März.