Frankreich zittert vor polen: gérard sieht em-krimi
Vincent Gérard schaut auf den Zettel, schmunzelt kurz, dann kommt die Ansage: „Polen wird uns wunden.“ Frankreichs Delegationsleiter hat Gruppe 6 der EM-Qualifikation 2028 sofort durchgeanalysiert – und erkennt eine Falle statt eines Freundschaftsspiels.
Los geht’s im Oktober 2026. Dann reisen Les Bleus nach Kielce, wo Telekom Veszprém-Linksaußen Arkadiusz Moryto vor heimischem Publikum aufläuft. Ein Monat später empfangen die Franzosen in Nantes Rumänien, das mit 13 Champions-League-Profis antreten kann. Lettland wirkt auf dem Papier wie ein Sparringspartner, doch Gérard warnt: „Wer sich auf den Namen versteift, kassiert in Riga zwei Punkte Verlust.“
Die quali-formel ist gnadenlos
Gruppensieger und Zweiter sind fix dabei, die vier besten Dritten rücken nach. Das klingt nach Luft, ist aber ein Zangengriff: Schon ein Unentschieden in Kielce kann den Weg über die Wildcard verschärfen. Frankreich braucht deshalb mindestens zehn Punkte aus sechs Spielen, um nicht auf fremde Resultate zu schielen.
Die Zahlen sprechen für les Tricolores: 31 Siege in den letzten 35 Pflichtspielen, 870 Tore in der Nations-League-Runde 2024. Doch die Gegner haben sich gewandelt. Polen liefert mit Szymon Sička (THW Kiel) und Michał Daszek (SC Magdeburg) zwei Bundesliga-Stars, Rumänien setzt auf die Kreisläufer-Doppelspitze Ghionea und Nicu Constantin, die bei Pick Szeged und Sporting Lissabon Torgefahr versprühen.

Termindichte wird zum gegner
Die Quali fällt in die gleiche Phase wie die Champions-League-Gruppenphase. Düjshebaev muss also seinen Kader rotieren – ein Novum, seit er 2023 das Amt übernahm. „Wir werden 18 Spieler brauchen, nicht 14“, sagte der Coach beim Training in Créteil. Das könnte Jungstars wie Elohim Prandi oder Dylan Nahi die Bühne eröffnen, während Routiniers Nikola Karabatić und Kentin Mahé Last-Minute-Pässe geben.
Die Franzosen haben zudem ein Heimspiel-Problem: Die Halle in Brest ist für 5.800 Zuschauer ausverkauft, aber erst im März 2027 verfügbar. Die Ligue-1-Clubs sträuben sich gegen zusätzliche Termine, weil ihre Versicherungen Spielerverletzungen fürchten. Die Fédération Française de Handball prüft deshalb ein „Road-Game-Konzept“, das die Nationalmannschaft nach Metz oder Montpellier führt – und so zusätzliche Reisekilometer erzeugt.

Die em 2028 rückt näher
Vom 13. bis 30. Januar 2028 gastieren 24 Teams in Spanien, Portugal und der Schweiz. Madrid baut die neue WiZink Center-Tribüne für 17.500 Fans aus, Lissabon bietet die MEO Arena (20.000) und Genf die SEG Geneva Arena (9.500). Für Frankreich winkt bei einem Turniersieg der vierte EM-Titel – und die Chance, vor den Olympischen Sommerspielen 2028 ein Statement zu setzen.
Doch zählt nur die Gruppenphase. Gérard schließt mit einem Satz, der wie ein Mantra klingt: „Wer Kielce überlebt, darf in Madrid träumen.“ Die französische Handball-Équipe hat die Auslosung verarbeitet – und weiß, dass der erste Schritt Richtung Genf bereits in Polen fällt.
