Frankreich lacht, norwegen zittert: biathlon-saison 2025/26 endet mit paukenschlag
Die letzte Scheibe fiel am Sonntag in Oslo. Mit dem Schuss auf die schwarze Zielscheibe endete nicht nur ein Weltcup, sondern eine Saison, die selbst alte Hasen mit offenem Mund zurückließ. Frankreichs Mixed-Staffel feierte, Norwegen verpasste die Gesert-Krone um zwei Zehntel – und ein Finne namens Otto Minkkinen raubte den Skandinaviern den Schlaf.
Die zehn, die wir nicht vergessen werden
Julia Simon fuhr nach ihrer Verfolgungs-Pleite in Ruhpolding 38 Stunden später mit zitternden Händen auf den Rennrad-Trainer, um die Waffe zu richten. Drei Tage danach lag sie in Antholz 34 Sekunden vor der Konkurrenz – und weinte sich in die Kameras. Das Bild ging um die Welt: eine Athletin, die sich selbst besiegt. Gleiches galt für Sturla Holm Lægreid. Der Norweger kam als „Mr. Konstanz“ in die WM, verlor aber in Pokljuka 14 Sekunden auf der letzten Schleife – und damit die große Kristallkugel an Éric Perrot. Der Franzose hatte vor zwei Jahren noch im IBU-Cup gestartet.
Die Italienerinnen? Lisa Vittozzi kehrte aus dem Mutterschutz zurück, schnappte sich Gold in der Einzel, verabschiedete sich mit einem Seitenhieb auf den Verband: „Manchmal muss man weg, um zu verstehen, was man will.“ Dorothea Wierer dagegen trat ab, wie sie gelebt hat – laut, mit Sonnenbrille und einer Zigarre im Mundwinkel. Ihre Rede dauerte 97 Sekunden, jeder Applaus schien ihr ein Stück Leben zurückzugeben.

Der tag, als giacomel träumte
Tommaso Giacomel hatte sich in der Nacht vor der Jagd in Oslo einen Fiebertraum erlaubt: Gold, Italien-Hymne, die Familie auf der Tribune. Dann patzte er in der ersten Liegenschieß-Serie zweimal, schaffte als Elfter das Podest nicht mehr. Dennoch: Mit 23 Jahren ist er der jüngste Italiener, der je drei Weltcup-Siege in einer Saison feierte. Die Zahlen dahinter: 91 % Trefferquote im Stehen, 1,8 Sekunden schneller als Fourcade zu seiner besten Zeit.
Und Frankreich? Die Equipe wirkte wie ein gut geöltes Gewehr. Quentin Fillon Maillet sammelte vier Olympiasiege, zwei WM-Titel – und trotzdem blieb er nach dem letzten Rennen auf dem Berg hinter der Arena sitzen, starrte in die Nacht. „Man gewinnt, aber man verliert sich selbst ein Stück“, sagte er leise. Die Statistik trotzdem: 34 Podestplätze in 38 Rennen, nie schlechter als Rang sieben.
Die Saison 2025/26 wird als „Jahr der kleinen Nationen“ in die Annalen eingehen. Die Finnin Suvi Minkkinen holte Silber in der Verfolgung – mit einem Salär von 28.000 Euro im Jahr. Ihr Vater verkaufte daraufhin das Boot, um nach Antholz zu reisen. Das Bild von ihm mit der norwegischen Flagge als Umhang wurde zum Symbol dafür, dass Träume billiger sind als gedacht – aber teurer zu leben.
Der Weltcup ist vorbei, die Zahlen bleiben. 1.420 Schüsse fielen in 30 Rennen, 312 Treffer zählte die Statistik als „kritisch“ – also in der letzten Runde mit Medaillenkontakt. Drei Athleten wechselten den Verband, zwei hörten auf, einer kam zurück. Die nächste Saison beginnt in 177 Tagen in Östersund. Bis dahin bleibt nur eines: das Echo der Scheiben, das in den Wäldern Nordeuropas noch nachhallt – und die Gewissheit, dass schon der erste Schuss im November wieder alles verändern kann.
