Frankfurt gewinnt müde, wirft aber ein großes fragezeichen auf

1:0 gegen Heidenheim – drei Punkte, null Glanz. Die Eintracht schleppt sich über die Runde, und selbst der VAR muss mithelfen, damit der Tabellenletzte nicht doch noch punktet.

Die zahlen lügen nicht: 45 minuten lang keine einzige torchance

Frank Schmidt saß nach Abpfiff da wie ein Mann, der weiß, dass seine Mannschaft eigentlich gewonnen hat. „Wir haben Frankfurt keine Tiefe gelassen“, sagte der Heidenheim-Coach. Recht hatte er. Die erste Halbzeit endete mit einem xG von 0,11 – ein Wert, der selbst in der 3. Liga für Räuspern sorgt. Die SGE dominiert den Ball, aber nicht das Spiel. Statt Lücken zu reißen, quält sie sich durch geschlossene Kette. Kalimuendo rettet mit seinem Tor die drei Punkte, doch der Jubel bleibt verhalten.

Die Szene des Abends: Conteh trifft zum vermeintlichen Ausgleich, doch die Linie zieht einen Millimeter an seiner Schulter vorbei. Collins gesteht hinterher: „Mein Fußballerherz sagt, das war kein Abseits.“ Ein Hauch entscheidet über Glück und Pleite. Kurz darauf fliegt Koch mit Gelb-Rot vom Platz – und plötzlich steht Frankfurt mit nur noch zehn Mann da. Die Führung wackelt, der Waldstadion-Atem stockt.

Riera sieht fortschritt, alle anderen sehen stagnation

Riera sieht fortschritt, alle anderen sehen stagnation

Albert Riera greift zur Rettungsformel: „Barcelona hätte hier auch Probleme.“ Klar, Tiefsteher zwingen selbst große Teams zu Geduld. Aber Frankfurt? Die spielt seit Wochen wie unter Dauer-Tranquilizer. Die Chancen kommen nicht nur spät, sie kommen kaum. Der Trainer spricht von Entwicklung, doch die einzige Konstante ist die Null hinten. Vorne aber droht der Staffelstab der Harmlosigkeit, sich weiterzureichen. Ohne Kalimuendo wäre das Spiel wohl unentschieden geblieben – und dann hätte Frankfurt wieder mal dem Abstieg gegrüßt.

Markus Krösche redet in der Kabine von Stabilität. Stimmt: Seit Riera übernahm, kassierte die Eintracht in vier von sechs Partien kein Tor. Doch Stabilität allein reicht nicht, wenn vorne kein Funke springt. Die Fans pfeifen nach 45 Minuten – nicht aus Bosheit, sondern aus purem Hungern nach einer Idee. Die Erinnerung an Toppmöller-Zeiten wird wach, als schon 0:0 ein Schock war.

Die tabelle lügt noch, das spiel aber nicht

Die tabelle lügt noch, das spiel aber nicht

Platz sieben ist weiter drin, das Minimalziel greifbar. Doch der Blick auf die restlichen Gegner zeigt: Wer so spielt, landet schnell im Mittelmaß. Die Defensive gibt Halt, die Offensive gibt Rätsel auf. Wer soll das Tor schießen, wenn nicht ein Zufallsheld wie Kalimuendo? Burkardt saß zunächst nur auf der Bank, Bahoya und Chaibi laufen sich fest, Doan wirkt wie in Zeitlupe. Fünf offensive Akteure mit Tempo-Faktor – und keiner findet die Lücke.

Am Ende zählt nur das Ergebnis, heißt es so schön. Aber Ergebnisse sind wie Snapchat-Storys: schnell weg, wenn das Spiel dahinter nicht überzeugt. Frankfurt hat Glück gehabt, Frankfurt hat den VAR gehabt, Frankfurt hat drei Punkte. Mehr nicht. Und wenn die Mannschaft nicht bald lernt, wie man Tore schießt, wird sie bald lernen, wie man Punkte verschenkt. Dann nämlich, wenn das Glück sich einmal nicht mehr mit ihr verschworen hat.