Arda güler trifft aus 68 metern – real siegt und der puskás award rückt näher
68 Meter. Drei Schritte Anlauf. Ein Schlag. Die Kugel flog höher als der Elche-Keeper Dituro zurückrudern konnte, senkte sich unter die Latte und explodierte im Netz. Mit diesem Schlenzer verwandelte Arda Güler das Bernabéu in einen einzigen, lautstarken Atemzug – und schob sich in die Shortlist für den Puskás Award 2024.
Der moment, als dituro seine arme nicht mehr steuern konnte
Die Szene lief in Sekundenschnelle ab. Minute 72, Elche hatte eben den Ball verloren, Güler erkannte, dass Dituro weit vor dem Strafraum stand, nahm Maß und zog ab. Die Geschwindigkeitsmessung des Klubs: 112 km/h. Die Reaktion des Keepers: hilfloses Wedeln, als wollten seine Arme schneller sein als der Ball. Vergeblich. Courtois sprintete wie ein Fan vom Tor, um Güler zu umarmen – ein Bild, das in Madrid als „Torhüter gegen Torhüter“ kursiert.
Trainer Eder Sarabia sprach nach dem 4:1 anschließend von „einem der Besten der Welt“ und schob neben dem Lob das resignierte Geständnis hinterher: „Wir schenken das Spiel mit einer unnötigen Ballverlust-Statistik her – und dann steht er da, Güler, 21 Jahre, und schießt uns aus der eigenen Hälfte ab.“

Zwei jahre nach dem lattenkracher – diesmal sitzt er
Das Déjà-vu kam nicht von ungefähr. Bereits vor 24 Monaten in Pamplona hatte Güler aus halblinker Position die Latte getroffen. Die Kollegen erinnerten sich. Brahim Diaz: „Gegen Osasuna traf er die Latte, heute hat er ihn reingehauen.“ Die Distanz war damals 48 Meter, diesmal 68. Die Differenz: ein Treffer und die Gewissheit, dass Güler Distanzschüsse nicht nur riskiert – er beherrscht sie.
Die Zahlen liegen auf dem Tisch: Seit seinem Debüt für Real hat Güler zwölf Torschüsse aus über 35 Metern abgegeben, vier gingen ins Tor, zwei klatschten an die Latte. Quote: 33 Prozent Torbeteiligung bei Langschüssen. Kein La-Liga-Mittelfeldspieler unter 23 kommt auch nur in die Nähe.

Der jubel, der keiner war – und trotzdem alles sagt
Was Güler danach tat, passt ins Bild des stillen Assassinen: Er drehte sich um, hob die Hand, lächelte minimal. Kein Sprint, kein Shirt-Wedeln. Die Mitspieler überschlugen sich trotzdem. Camavinga riss ihn zu Boden, Valverde klatschte wie ein Fan in Reihe sieben. Und im VIP-Ring hob Arbeloa die Arme über den Kopf – ohne es zu merken. „Es ist unglaublich, ein solches Tor aus 70 Metern zu schießen – allein dafür lohnt sich eine Eintrittskarte.“
Die Spanier spekulieren bereits, ob die FIFA-Gala im Januar in Zürich ein Gast aus Madrid mitbringen wird. Die Puskás-Shortlist wird im Oktober veröffentlicht – Güler dürfte dabei sein. Kritiker mahnen, das Tor sei auch ein Geschenk des Gegners. Statistiker kontern: 68 Meter, 3,2 Sekunden Flugzeit, 0,86 xGOT (Expected Goals on Target). Selbst mit Keeper in besserer Position wäre das ein Tor mit 17-Prozent-Chance. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Puskás-Kandidat aus dieser Distanz trifft, liegt laut Opta bei 1:714.

Was bedeutet das für real?
Carlo Ancelotti hatte Güler in dieser Woche noch mit „Spezialist für letzte Pässe“ gelobt. Nach dem Schlag aus der eigenen Hälfte dürfte das Etikett auf „Spezialist für alles, was über 30 Meter fliegt“ erweitert werden. Der Türke festigte seine Stammplatz-Chancen im Mittelfeld-Karussell, in dem Modric, Kroos und Ceballos um zwei Positionen wetteifern. Der Coach ließ durchblicken: „Wenn er so weiterschießt, spielt er – Punkt.“
Die Tabelle sagt: Real springt mit dem 4:1 auf Platz zwei, ein Punkt hinter Barça, bei einem Spiel weniger. Die Stimmung sagt: Das Bernabéu hat einen neuen Helden gefunden, der nicht jubelt, aber trifft – und der mit jedem weiteren Fernschuss das Statistik-Kapitel „Unmögliche Tore“ neu schreibt.
Madrid schläft nicht. Die Liga läuft weiter. Aber wer 68 Meter überwindet, braucht keine Worte – nur einen Ball, der ins Tor fliegt. Der Rest ist Geschichte. Und die steht bereits in den Puskás-Akten: Arda Güler, 21, Real Madrid, 68-Meter-Kracher. Die Jury in Zürich wird sich erinnern – und Dituro auch.
