Frankfurt blockiert: 12.000 läufer sperren die stadt
Am Sonntagmorgen um 7.15 Uhr beginnt in Frankfurt das große Stilllegen. Dann verriegelt die Polizei das Herz der Mainmetropole, damit 12.000 ambitionierte Hobbyläufer eine Stunde später auf ihre 21,097 Kilometer Jagd nach Bestzeiten gehen können. Wer glaubt, das betreffe nur ein paar Straßen, unterschätzt die Logistik eines Stadthalbmarathons.

Die sperrliste liest sich wie ein verkehrschaos-krimi
Von der A5-Abfahrt „Niederrad Süd“ bis zur Ignatz-Bubis-Brücke, von Sachsenhausen bis zur Bürostadt – asphaltierte Fluchtwege für Pendler verwandeln sich in rote Laufteppiche. Die S-Bahn-Linie S8 umfährt künftig den Hauptbahnhof, die S7 fällt komplett zwischen Hauptbahnhof und Stadion aus. Straßenbahnen der Linien 12, 15, 16, 17 und 18 werden geteilt oder verkürzt, Busse der Linien 35, M36, 45, 51, 61 und mehrere Expressbusse fahren Schleifen und Umleitungen, die selbst Einheimische ins Schwitzen bringen.
Die Strecke selbst wirkt wie ein Kompass, der Frankfurt auf seine grünen Lungen reduziert: Start und Ziel markiert das Waldstadion, dazwischen kreuzen die Läufer zweimal den Main, passieren Niederrads Bürokolosse und die Kopfsteinpflaster von Sachsenhausen. Die IGES-Brücke und die Untermainbrücke werden für den Autoverkehr zeitweise zu Luftbrücken – ohne Flugverkehr, dafür mit laktathaltigem Höhenrausch.
Kliniken bleiben erreichbar, verspricht die Polizei. Doch wer in den Kreißsaal oder zur Notaufnahme muss, sollte sich auf eine Geduldsprobe gefasst machen. Die Rettungswege sind frei, die Umleitungen lang. Parkplätze für Zuschauer gibt es nur am Stadion – und selbst dort füllt sich das Gelände schon zwei Stunden vor dem Startschuss. Die Empfehlung der Veranstalter klingt wie ein Appell an die Vernunft: „Nehmt den ÖPNV, plant Pufferzeit, schaut nicht auf die Uhr, sondern auf die Karte.“
Das Nachspiel beginnt, sobald der letzte Läufer die Zielgerade überquert. Die Straßen sperren auf, doch der Verkehr wird sich erst gegen 14 Uhr normalisieren. Die Bilanz: 31 Sekunden Audio-Warnung, 182 Minuten Sperrphase, 12.000 glückliche Finisher – und eine Stadt, die sich Sonntagmittag fragt, ob der Spaß die Blockade wert war. Die Antwort lautet: Ja, solange die Uhr am Ende eben doch die persönliche Bestzeit anzeigt.
