Forster schlägt in cortina gold-alarm: 5 hundertstel reichen

Anna-Lena Forster hat Cortina d'Ampezzo am ersten Tag in ihren Bann gezogen. Die Monoskifahrerin des TSV Pelkum saß nur fünf Hundertstel vor Spaniens Audrey Pascual Seco, doch diese winzige Lücke reichte, um das deutsche Paralympics-Team mit dem ersten Gold zu füttern. 1:25,79 Minuten stehen in der Protokoll-App – und kein deutscher Athlet hatte je schneller eine Abfahrt in Cortina gewonnen.

Die ramponierte piste wurde zur goldgrube

Die Tofane-Bahn war kein Sahnehäubchen mehr. Tauwetter hatte die Strecke aufgeweicht, Spuren zogen sich wie Narben durch die Norditaliener Steilhänge. Für Forster ein Geduldsspiel: Wer zu frisch ins Geläuf sticht, verliert Kanten. Wer zu lange wartet, verliert Hundertstel. Sie wartete nicht. Gleich im obersten Abschnitt nahm sie sich die Linie, die Barbara van Bergen als Erste der Klasse sitzend zu Fall brachte – und blieb clean.

Die 30-Jährige aus Radolfzell schraubte sich mit jeder Torengasse tiefer, ließ die Latten nur noch wispern. Am Ziel: ein Seufzer, der durchs ganze deutsche Camp ging. Zehn Paralympics-Medaillen hat sie jetzt, fünfmal Gold. Damit rückt Anna Schaffelhubers Rekord von sieben Siegen in greifbare Nähe. Noch fehlen zwei.

Momoka muraoka fehlte – forster nicht

Momoka muraoka fehlte – forster nicht

Die Peking-Siegerin aus Japan hatte abgesagt. Nach ihrem Schlüsselbeinbruch ist das Risiko auf bröckelnder Piste zu hoch. Für Forster eine Ansage: Jetzt oder nie. Sie fuhr, als gäbe es kein Morgen. Sitong Liu aus China wurde Dritte, fünf Sekunden später. Dahinter: nichts als Respekt.

Deutschland verzichtete auf weitere Startläufe. Das Vertrauen in Forster ist so groß, dass kein zweiter Versuch nötig schien. Nächste Chancen: Super-G, Super-Kombi, Riesenslalom, Slalom. Die Reihenfolge liest sich wie ein Programmheft für mögliche weitere Goldläufe.

Am Zielhang wehte schon die deutsche Flagge. Forster hielt sie mit einer Hand, die andere umklammerte den Monoski – als wollte sie sagen: Dieses Gold ist erst der Anfang. Der Medaillenspiegel der Winter-Paralympics ist ein dünnes Eis. Doch nach Tag eins steht Deutschland obenauf. Und Anna-Lena Forster hat die Klinge geschärft.