Dybala fällt erneut aus – roma zieht die notbremse

Paulo Dybala weint wieder. Diesmal nicht vor Glück im Kolosseum, sondern im OP-Saal der Klinik Villa Stuart. Knorpeltrimming, Außenmeniskus, 45 Tage Pause. Das dritte Mal in dieser Saison. Die Roma zieht die Reißleine.

Ein talent, das sich selbst zerlegt

Seit seiner Ankunft 2022 zählt der argentinische Spielmacher nur noch Einsätze auf dem Behandlungstisch: fünf schwere Verletzungen in der Vorsaison, drei neue in diesem Zyklus. Die Bilanz: 14 Pflichtspiele verpasst, 8 Millionen Euro Gehalt – und kein einziger Tag, an dem die Führungsposition in der Kabine wirklich sicher war. Die Friedkins haben die Kalkulation längst umgestellt: Bonuszahlungen nur bei Einsatzminuten, keine Gespräche über eine Verlängerung. Wer so oft auf der Liege landet, kostet mehr Nerven als Punkte.

Der Klub schweigt, die Fans nicht. „Grazie di tutto, Maestro“ steht seit gestern auf jeder Kurve, dazwischen ein Emoji der Träne. Die Botschaft: Schön war’s, aber Schluss. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: In 77 Partien für die Giallorossi erzielte Dybala 34 Tore, 18 Vorlagen. Doch die 1.100 Minuten, die er 2023/24 fehlte, überwiegen die magischen Momente. Kein Wunder, dass Sportdirektor Tiago Pinto die Scouting-Listen bereits auf neue Nr.-10-Kandidaten ausrichtet.

Boca wartet – und zahlt bar

Boca wartet – und zahlt bar

Während in Trigoria die Saisonplanung über Ostern ruht, tickt in Buenos Aires die Uhr. Boca Juniors hat Leandro Paredes längst als Überzeugungsagenten eingesetzt, das Angebot liegt auf dem Tisch: 3-Jahres-Vertrag, freie Hand beim Sponsoring, Familiennähe für die kleine Gia. Die Ablöse: null. Die Roma spart 16 Millionen Euro Lohnkosten, der Spieler erhält ein Abschiedsgeschenk, das ihm keine europäische Großmacht mehr bietet: ein fixes Zuhause, das nicht aus Reha-Zentren besteht.

Am 19. April könnte Dybala theoretisch gegen Atalanta zurückkehren – wenn die Knie sich nicht wieder revoltieren. Bis dahin muss Trainer Daniele De Rossi improvisieren. Lukaku und El Shaarawy tragen die Last, doch die Taktik verliert ihre Wildcard. Die Champions-League-Quali wird zur Glückswurst, das Europa-League-Achtelfinale gegen Bologna zum Gruppenselbstläufer. Die Roma muss ohne ihre Perle leben – und wird dafür bezahlt: durch Platzierungsprämien, durch neue Transferkredite, durch endlich berechenbare Kaderplanung.

Die Liebesgeschichte endet nicht mit einem Knall, sondern mit einem Knacks. Dybala wird die Stadt verlassen, die ihn einst wie einen Papst empfing. Die Roma wird weiterkämpfen – ohne die Joya, die zu teuer zu halten und zu zerbrechlich zu liegen war. Ein letzter Blick auf die Statistik: 119 Minuten pro Treffer, 67 Minuten pro Vorlage – und nur 45 Tage, um sich zu verabschieden.