Fora schreibt davos-geschichte – dann ab nach lausanne
500 NL-Einsätze, keine einzige Meisterschaft. Michael Fora packt trotzdem die Davos-Medaille ein: Er schließt seine Bündner Vita mit historischer 500-Spiel-Marke ab, bevor er 2024 ins französissprachige Romandie wechselt.
Die bilanz nach 500 spielen: ambri, davos – und ein offener traum
Fora kam 2019 aus dem Tessin, wo er als Junior den Sprung in die NL schaffte. Seitdem trägt er nur zwei Trikots: jenes von Ambri-Piotta und das von HC Davos. 317 Partien absolvierte er für die Leventiner, 183 folgten in der Dischma. Dabei entwickelte sich der 30-Jährige vom rauen Shutdown-Verteidiger zum Sekunden-Shooter, der in dieser Saison bereits 28 Punkte sammelte – Karrierebestwert. Die Trophäe fehlt. „Ich will endlich das letzte Spiel gewinnen“, sagt er nach dem Training knapp. Die Aussage klingt wie ein Seitenhieb auf die Final-Niederlagen 2021 und 2022.
Die Vertragsunterschrift in Lausanne lag bereits im November bereit. Sportchef Jan Laats sicherte sich den Schweizer Internationale für vier Jahre bis 2031. „Er verbindet Physis mit Spielintelligenz – genau die Mischung, die wir brauchen, um den Sprung aufs Podest zu schaffen“, kommentiert Laats. Für Fora ein lukratives Projekt: Lausanne baut um Top-Scorer Anton Rödin eine neue Kerngruppe auf, die älteren Erfolgsträger wie Beat Forster ziehen sich zurück. Fora soll die Defensive stabilisieren und jungen Talenten wie David Aebischer den Weg ebnen.

Playoff-poker: noch ein titel mit davos?
Zwischen Geschichte und Zukunft steht die Gegenwart. Davos führt gegen den EV Zug 3:1, doch die Niederlage in der Kolping-Arena zeigte Risse. Coach Christian Wohlwend stellte die Reihen um, Fora rutschte erstmals seit Wochen neben Calvin Thürkauf an die blaue Linie. Die Chemie funktionierte: 22 Minuten Eiszeit, fünf Checks, zwei Torschüsse – Zahlen, die seine Rolle unterstreichen. „Wenn wir am Samstag die Serie beenden, ist alles offen. Der Cup ist greifbar“, sagt Fora. Die Wahrscheinlichkeit, dass er als Davos-Spieler den Pokal stemmt, liegt laut NL-Statistik bei 67 %. Ein letztes Kapitel wäre das.
Die Verkündung des Wechsels kam für viele Fans überraschend. In den Sozialen Netzwerken kursiert das Hashtag #ForaForEver, das seine loyalste Fangruppe promotet. Tatsächlich aber steckt hinter dem Transfer ein klassisches Win-Win: Davos spart Budget für den geplanten Nachwuchs-Offensiv-Star Lian Bichsel, Fora erhält eine langfristige Perspektive mit Meister-Anspruch. Die Ablösesumme blieb ungenannt, Insider sprechen von einer „symbolischen“ Zahlung – Zeichen der Verbundenheit.
Ein Blick auf die Statistik zeigt, warum Lausanne zugreift: In den letzten drei Saisons kassierte das Team 15 % mehr Tore als Liga-Schnitt, wenn Fora nicht auf dem Eis stand. Mit ihm: nur 4 % mehr. Die Differenz mag marginal klingen, entscheidet aber Playoff-Spiele. „Er blockt nicht nur Schüsse, er blockt ganze Zonen“, schwärmt Lausanne-Goalie Luca Boltshauser.
Für Fora beginnt nach der Saison eine neue Reise. Doch zuerst wartet in Davos möglicherweise die Krone. Die 500 NL-Partien sind nur ein Zwischensprint. „Wenn ich in 20 Jahren zurückblicke, zählt nur der Tag mit dem Pokal in der Hand“, sagt er. Samstag, 19.30 Uhr, Vaillant Arena – vielleicht der erste Matchball seiner Karriere. Danach heißt es: Tschüss Bündnerland, bonjour Waadt. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben.
