Fischtown schlägt nürnberg k.o. und jagt jetzt den nächsten adler
18 Sekunden. So lange brauchte Christian Wejse, um den Eisstadion-Seismograph auf Explosionsstufe zu schrauben. Powerplay, Zug zum Körper, Abpraller, 1:0 – und die 7.400 in der Bremerhavener „Pinguins-Arena“ wussten: Das Viertelfinale winkt.
Gudlevskis' fehler wird zur nebensache
Der lettische Schlussmann Kristers Gudlevskis hatte sich vor zwei Tagen noch als unüberwindbar gezeigt, 4:0, 37 Saves, kein Bein stellen. Jetzt klapperte sein Equipment in der 15. Minute, als ein abgefälschter Weber-Schuss ihm durch die Schoner rutschte. „Mein Fehler“, sagte er später knapp, „aber Reaktion zählt.“ Reagiert wurde mit einem Doppelschlag: C. J. Smith schlenzte die Scheibe 120 Sekunden später zum 2:1 ins Eck, und Philip Bruggisser erhöhte früh im Mitteldrittel auf 3:1. Die Ice Tigers? Zu harmlos, zu ideenlos, zu sehr mit dem Rücken gegen die Bande.
Die Statistik hinter der Story: 38:22 Schüsse, 56 % Face-off-Gewinn für Fischtown, 18 Saves bei 20 Abschlüssen für Gudlevksis nach dem Patzer. Die Zahl, die wirklich wehtut: Nürnberg kassierte in beiden Partien nur fünf Minuten Überzahl, nutzte keine einzige. Wer so ineffizient bleibt, fliegt früh.

Mannheim wartet – und die pinguins schwelgen nicht
Zum Schluss noch ein Aufbäumen: Samuel Dove-McFalls verkürzte auf 2:3, 65 Sekunden Powerplay, 5:12 vor Ende. Die Mucke im Block schwoll an, doch Trainer Thomas Popieschka stellte um: 1-3-1-Press, blaue Linie dicht, Scheibe raus. Die Uhr tickte, das Eis quietschte, das Publikum sang. Abpfiff – und die Pinguins jubelten, als wäre nichts gewesen.
Nächster Gegner: Adler Mannheim, Serienmeister, Turbo-Angriff, 213 Tore in der Hauptrunde. „Die wissen, wie man Meißeln schleift“, sagt Kapitän Maximilian Kammerer, „wir zeigen ihnen, wie man bei Sturmflut surft.“ Spiel eins am Dienstag in der SAP-Arena, danach zwei Mal Heimrecht in Bremerhaven. Die Quoten sind gegen die Nordlichter, genau wie gegen Nürnberg. Und das ist gut so.
Denn wenn ein Team in dieser Playoff-Saage schon bewiesen hat, dass es mit dem Rücken zur Wand noch schneller schwimmt, dann die Pinguins. Der Adler ist gewarnt – sonst wird er im Fischtown-Pool zum gefangenen Vogel.
