Kolumbien: millionen erhalten mitte des jahres bonuszahlungen – was arbeitnehmer wissen müssen

Für Millionen Kolumbianer ist Juni ein Monat der Hoffnung: Die lang ersehnte prima de servicios, eine gesetzliche Lohnzulage, steht bevor. Doch wer genau bekommt sie, wann und wie hoch ist sie? Wir liefern einen Überblick, der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen informieren soll.

Zahlungsfristen: ein strikter zeitplan

Die kolumbianische Arbeitsgesetzgebung lässt kaum Spielraum bei der Auszahlung dieser wichtigen Leistung. Der finale Stichtag für Arbeitgeber, um die prima de servicios für das erste Halbjahr zu begleichen, ist der 30. Juni 2026. Wer hier zögert, riskiert empfindliche Strafen. Die Aufteilung der Zahlungen ist klar geregelt: Erstes Halbjahr (Juni-prima): spätestens 30. Juni 2026. Zweites Halbjahr (Weihnachts-prima): spätestens 20. Dezember 2026. Für Beamte erfolgt diese zweite Zahlung üblicherweise innerhalb der ersten 15 Tage im Dezember.

Die berechnung: mehr als nur die hälfte des gehalts

Die berechnung: mehr als nur die hälfte des gehalts

Die Höhe der prima wird nicht einfach als halbes Monatsgehalt festgelegt. Das Arbeitsministerium hat eine offizielle Formel definiert, die alle relevanten Einkommensbestandteile berücksichtigt. Dazu zählen das Grundgehalt, der Reisekostenzuschuss (für Arbeitnehmer, die bis zu zwei Mindestlöhnen verdienen, beträgt dieser für 2026 249.095 Pesos), sowie weitere lohnsteuerpflichtige Einkünfte wie Überstunden, Nachtarbeit, Sonntagsarbeit und Provisionen. Die Berechnung erfolgt wie folgt: Prima Semestral = Monatsgehalt x Arbeitstage im Halbjahr / 360. Wer das gesamte Halbjahr gearbeitet hat (180 Tage), erhält genau die Hälfte seines Monatsgehalts. Bei kürzerer Beschäftigungsdauer, beispielsweise bei Eintritt im April, ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine anteilige Summe auszuzahlen, die den tatsächlich geleisteten Arbeitstagen entspricht.

Wichtig: Auf die prima de servicios dürfen keine Abzüge für Krankenversicherung oder Altersvorsorge vorgenommen werden – der Arbeitnehmer erhält den vollen, berechneten Nettobetrag.

Wer nicht mitverdient? ausnahmen bestätigen die regel

Wer nicht mitverdient? ausnahmen bestätigen die regel

Nicht jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf die prima de servicios. Ausgenommen sind beispielsweise Personen mit Dienstleistungsverträgen (da diese auf zivilrechtlicher und nicht auf arbeitsrechtlicher Basis beruhen), Arbeitnehmer mit einem integrierten Gehalt (wo der 30-prozentige Sozialversicherungsanteil bereits im Monatsgehalt enthalten ist) und Auszubildende (wie beispielsweise im SENA). Auch bei längeren Arbeitsunfähigkeiten (über 180 Tage) kann der Anspruch entfallen. Allerdings haben Hausangestellte und Sicherheitsleute vollen Anspruch auf die Zahlung, selbst wenn sie nur tageweise arbeiten.

Konsequenzen bei zahlungsverzug: teuer für arbeitgeber

Die Nichtzahlung oder verspätete Zahlung der prima de servicios kann für Arbeitgeber kostspielig werden. Gemäß Artikel 65 des Arbeitsgesetzbuches kann bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses und ausstehenden Zahlungen eine sogenannte indemnización moratoria verhängt werden – das entspricht einem Tageslohn pro Tag der Verzögerung. Bleibt die Zahlung auch nach dem 30. Juni aus, kann der betroffene Arbeitnehmer sich an die Bürgerämter des Arbeitsministeriums wenden und eine Beschwerde einreichen. Dies kann zu empfindlichen Strafen für das Unternehmen führen. Die kolumbianische Regierung mahnt Arbeitnehmer, das zusätzliche Geld klug anzulegen, beispielsweise durch rentable Geldanlagen. Die Erfahrung zeigt leider, dass viele Kolumbianer ihre zusätzlichen Einnahmen für unbedachte Ausgaben verwenden, wovon sie später oft bereuen.